27. Juni
4. Tag in der Oktav des Hl. Johannes
Semiduplex

2. Nachtstunde

Predigt des hl. Basilius des Großen

4. Lesung

Die Stimme des Herrn ist über den Wassern. Welche Stimme? Uber welchen Wassern? Als eine Weissagung wollen wir diesen Ausspruch nehmen. Denke an Johannes! Er wurde von den Juden gefragt: Wer bist du? Welche Antwort sollen wir denen bringen, die uns gesandt haben? Da erwiderte er: Ich bin die Stimme des Rufers in der Wüste. Johannes ist also die Stimme des Herrn; er ist der Bote, der von Gott gesandt wurde, vor dem Angesicht, des Herrn, um dem Herrn ein vorbereitetes Volk zu schaffen. Diese Stimme erscholl also über den Wassern, über dem Jordan, wo Johannes taufte und die Taufe der Buße predigte; und nicht nur am Jordan, sondern auch in Änon bei Salim; denn dort gab es viel Wasser.

R. Der Engel des Herrn usw. S. 585.

5. Lesung

Die Stimme des Herrn über den Wassern ist also Johannes beim Taufen. Dort ließ auch der Gott der Herrlichkeit seinen Donner hören; denn es erscholl eine Stimme vom Himmel: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe. Damals ließ sich auch der Herr auf das große Wasser herab bei der Taufe des Johannes, um jegliche Gerechtigkeit zu erfüllen, die im Gesetz geschrieben steht. Die Stimme des Herrn ist voller Kraft. Sie nimmt die Schwächen des Volkes hinweg durch die Bußtaufe, die sie durch ihn spendet im Wasser zur Buße. Kraftvoll ist diese Stimme, die ruft: Tut Buße; denn das Himmelreich ist nahe. Bringt würdige Früchte der Buße.

R. Das ist der geliebte Vorläufer usw. S. 585.

6. Lesung

Die Stimme des Herrn zerschmettert die Zedern. Man kann sagen, dass Johannes, der dem Herrn ein vorbereitetes Volk schaffen wollte, der die stolze und über die Anerkennung Gottes sich erhaben dünkende Gottlosigkeit zerschmetterte und zermalmte, das Unebene eben machte. Denn der, welcher jeden Hügel und jeden Berg erniedrigt, war es auch, der die Zedern zerschmetterte und dem Herrn den Weg ebnete, und zwar dadurch, dass er das stolze, sich erhaben dünkende, hochmütige Menschenherz zur Buße drängte. So knüpfte denn der Herr an die Vorbereitungsarbeit des Johannes an und zerschmetterte durch seine Ankunft die widerstrebenden Mächte, die bildlich als Zedern des Libanon bezeichnet werden. Denn der Herr muss herrschen, bis er seine Feinde unter seine Füße legt und diese Zedern zerschmettert.

R. Sie befragten seinen Vater usw. S. 585.

3. Nachtstunde

Lesung aus dem hl. Evangelium nach Lukas

7. Lesung (Kap. 1, 57-68)

Es kam die Zeit, da Elisabeth gebären sollte; und sie gebar einen Sohn. Und die Nachbarn und die Verwandten hörten, dass der Herr große Barmherzigkeit an ihr geübt, und brachten ihr Glückwünsche dar; usw.

Auslegung des hl. Bischofs Ambrosius

Und sein Vater Zacharias ward erfüllt vom Heiligen Geist und weissagte. Siehe da, wie gut Gott ist und wie leicht er über Fehler hinwegsieht; er gibt nicht nur das zurück, was er genommen hat, er schenkt auch noch dazu, was man gar nicht erwartet hat. Er, der solange Zeit stumm gewesen, weissagt nun. das ist die größte Wirkung der göttlichen Gnade, dass der ihn bekennt, der ihn geleugnet hatte. Niemand darf also den Mut verlieren, niemand darf in Gedanken an seine früheren Sünden die Hoffnung auf Gottes Belohnung aufgeben. Der Herr weiß sein Urteil abzuändern, wenn du deinen Fehler gutzumachen verstehst.

R. Der Vorläufer des Herrn usw. S. 586.

8. Lesung

Und du, Kind, wirst Prophet des Allerhöchsten heißen. Sehr schön wendet sich Zacharias, da er vom Herrn weissagt, auch an den Propheten, um zu zeigen, dass auch dieser ein Geschenk des Herrn ist; es sollte nicht den Anschein haben, als spreche er zwar öffentlich von den ihm erwiesenen Gnaden, verschweige indes undankbaren Herzens die, die er an seinem Sohn schaute. Vielleicht könnte man es aber für etwas unvernünftig und übertrieben halten, dass er ein kaum acht Tage altes Kind schon anredet. Wenn wir aber darüber nachdenken, werden wir einsehen, dass das Kind nach der Geburt die Worte seines Vaters hören konnte, da es ja schon vor seiner Geburt den Gruß Mariens hörte.

R. Der Engel Gabriel usw. S. 586.

Wenn heute Samstag ist, dann wird die 9. Lesung von der Vigil der hl. Apostel Petrus und Paulus S. 597 genommen; sonst;

9. Lesung

Zacharias wusste wohl, dass das Ohr eines Propheten anders beschaffen ist, dass es nicht erst mit zunehmendem Alter, sondern vom Geist Gottes geöffnet wird. Er, der schon im Mutterschoß aufhüpfen konnte, hatte wahrlich die Fähigkeit zu verstehen. Achte hierbei auch darauf, wie wenig Elisabeth weissagt, wie viel dagegen Zacharias, obwohl doch beide voll des heiligen Geistes redeten; es wird aber die rechte Ordnung gewahrt; die Frau soll in göttlichen Dingen mehr Schülerin als Lehrerin sein.

Tedeum.

Vesper vom folgenden Tag.

Deutsches Brevier - Vollständige Übersetzung des Stundengebetes der römischen Kirche - Zweiter Band: Pfingsten bis Advent - Herausgegeben von Dr. Johann Schenk - Zweite, unveränderte Auflage - Verlag Friedrich Pustet Regensburg - Transskript dieses Propriums: Michael van Laack (Dipl.-Theol.) - Mehrumer Str. 21 - D-46562 Voerde