22. Juni
Hl. Bischof und Bekenner
Paulinus
Duplex
Allgemeiner Festtag S. [44].
Kirchengebet
Gott, Du hast denen, die um Deinetwillen in diesem Leben alles verlassen, für die Zukunft das Hundertfache und das ewige Leben verheißen; verleihe gnädig, daß wir den Fußstapfen des heiligen Bischofs Paulinus folgen können, das Irdische veschmähen und nur nach dem Himmlischen streben; der Du lebst.
Gedächtnis des vorhergehenden Tages:
Ant. Dieser Bekenner hat usw. V. Der Herr hat den Gerechten usw. S. 24.
Kirchengebet wie oben S. 574.
2. Nachtstunde
4. Lesung
Pontius Meropius Anicius Paulinus wurde im Jahre des Heiles 353 aus einer hochberühmten, mit dem römischen Bürgerrecht ausgestatteten Familie zu Bordeaux in Aquitanien geboren. Er besaß einen scharfen Verstand und einen liebenswürdigen Charakter. Unter der Leitung des Ausonius erwarb er sich hervorragende Kenntnisse in der Redekunst und in der Dichtkunst. Da er hohem Adel entsprossen und sehr vermögend war, eröffnete sich ihm eine glänzende Laufbahn; schon im jugendlichen Alter erhielt er die Würde eines Senators. Dann ging er als Konsul nach Italien und wählte, da ihm die Provinz Kampanien zur Verwaltung übertragen wurde, Nola zu seinem Wohnsitz. Hier traf ihn angesichts der glänzenden Wunder, die das Grab des heiligen Priesters und Martyrers Felix verherrlichten, ein göttliches Licht, und er schloß sich mit großem Eifer dem wahren christlichen Glauben an, mit dem er sich schon seit längerer Zeit beschäftigt hatte. Daraufhin gab er auch das Rutenbündel und das Beil wieder aus der Hand, ohne es jemals durch Blut befleckt zu haben. Er kehrte nach Gallien zurück. Dort wurde er von vielen schweren Heimsuchungen zu Lande und zu Wasser getroffen und verlor das Augenlicht. Vom heiligen Bischof Martin von Tours wurde er wieder geheilt und vom heiligen Bischof Delphinus von Bordeaux mit dem reinigenden Wasser der Taufe abgewaschen.
R. Ich habe David gefunden, meinen Knecht, mit meinem heiligen Öl ihn gesalbt; * denn meine Hand soll ihm helfen. V. Nichts soll der Feind wider ihn vermögen und der Sohn der Verderbnis ihm nicht schaden. Denn meine...
5. Lesung
Er entsagte dem großen Reichtum, den er besaß, verkaufte seine Güter und verteilte den Erlös unter die Armen; er trennte sich von seiner Gattin Theresia, zerriß alle Bande des Fleisches, verließ sein Heimatland und zog nach Spanien. Er wollte die verehrungswürdige Armut üben, die ihm kostbarer schien als die ganze Welt. Als er zu Barcelona am Feste der Geburt des Herrn andächtig dem heiligen Opfer beiwohnte, wurde er plötzlich vom Volke, das staunend ihn beobachtete und in Bewegung geriet, ergriffen und trotz seines Sträubens vom Bischof Lampidius zum Priester geweiht. Dann kehrte er nach Italien zurück, gründete zu Nola, wohin ihn seine große Verehrung zum heiligen Felix trieb, an seinem Grabe ein Kloster und begann mit einigen Gefährten ein klösterliches Leben. Der Mann, der vorher die Würde eines Senators und Konsuls bekleidet hatte, umfing nun die Torheit des Kreuzes, hüllte sich in ein ärmliches Gewand und versenkte sich unter Fasten und Nachtwachen ganze Tage und Nächte in die Betrachtung der himmlischen Wahrheiten. Fast die ganze Welt beobachtete es unter Staunen. Als der Ruf seiner Heiligkeit sich immer weiter verbreitete, wurde er auf den Bischofsstuhl von Nola erhoben. Bei der Verwaltung dieses Hirtenamtes hinterließ er ein bewundernswertes Beispiel der Frömmigkeit, der Weisheit und vor allem der Liebe.
R. Ich habe Beistand ihm geliehen wider den Mächtigen und den Auserwählten aus meinem Volke erhöht; * denn meine Hand soll ihm helfen. V. Ich habe David, meinen Knecht, gefunden, mit meinem heiligen Öl ihn gesalbt. Denn meine...
6. Lesung
Dabei gab er mehrere weisheitsvolle Schriften über die Religion und den Glauben heraus; er verlegte sich auch auf das Dichten, feierte in kunstgerechten Liedern das Leben der Heiligen und erwarb sich so hohes Lob als christlicher Dichter. Alle durch Heiligkeit und Gelehrtsamkeit hervorragenden Männer seiner Zeit wurden seine Freunde und Bewunderer. Von allen Seiten kamen sie in Scharen zu ihm als dem Lehrer der christlichen Vollkommenheit. Als die Goten Kampanien verwüsteten, gab er sein ganzes Vermögen hin und behielt für sich nicht einmal das zum Leben Notwendige, um den Armen Nahrung, den Gefangenen die Freiheit geben zu können. Als später die Vandalen diese Gegend heimsuchten, bat ihn eine Witwe, ihren von den Feinden gefangenen Sohn wieder loszukaufen. Er hatte aber schon alles zu Werken der Liebe hergegeben. Da ging er selbst an dessen Statt in die Sklaverei und wurde in Ketten nach Afrika geschleppt. Nicht ohne sichtbare göttliche Hilfe erlangte er wieder die Freiheit und konnte nach Nola zurückkehren; der gute Hirt konnte seine geliebte Herde wiedersehen. Dort entschlief er im 78. Jahre seines Lebens sanft im Herrn. Sein Leib wurde neben dem Grabe des heiligen Felix beigesetzt; später, zur Zeit der Longobarden, wurde er nach Benevent, unter Kaiser Otto III. nach Rom in die Basilika des heiligen Bartholomäus auf der Tiberinsel übertragen. Papst Pius X. jedoch ließ die heiligen Überreste des Paulinus nach Nola zurückbringen und erhob sein Fest für die ganze Kirche zu einem Duplexfeste.
R. Das ist der Mann, der vor Gott große Tugenden geübt und die ganze Erde mit seiner Lehre erfüllt hat; * er möge für die Sünden aller Völker um Vergebung flehen. V. Der ist es, der das Leben der Welt verschmäht hat und zum Himmelreich gelangt ist. Er möge... Ehre... Er möge...
3. Nachtstunde
Lesung aus dem hl. Evangelium nach Lukas
7. Lesung Kap. 12, 32-34
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Fürchte dich nicht, du kleine Herde; denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben; usw.
Auslegung des hl. Bischofs Paulinus
Geliebteste! Der allmächtige Herr hätte alle in gleichem Maße reich machen können, so daß keiner einen andern gebraucht hätte; aber nach dem Ratschluß seiner grenzenlosen Güte richtete es der gnädige und barmherzige Herr so ein; er will gerade in diesem Punkte deine Gesinnung prüfen. Er schuf den Armen, um zu sehen, wer barmherzig ist; er schuf den Unbemittelten, um dem Wohlhabenden Gelegenheit zum Wirken zu geben. Ein Mittel, um reich zu werden, ist für dich die Armut deines Bruders, wenn du Einsehen hast mit Hilflosen und Armen und nicht nur für dich behältst, was du erhalten hast. Dazu hat Gott dir in dieser Welt auch den Anteil des Armen gegeben, damit er dir vergelten könne, was du von dem, was er dir gegeben, freiwillig an die Notleidenden austeilst, damit er dich dafür in der Ewigkeit reich mache. In den Armen nämlich ist Christus jetzt der Empfangende, er wird dir dann auch an ihrer Stelle alles vergelten.
R. Der Herr hat ihn geliebt und ausgezeichnet, mit einem Ehrenkleid ihn angetan; * und hat ihn an den Pforten des Paradieses gekrönt. V. Der Herr hat ihn gerüstet mit dem Panzer des Glaubens und ihn ausgezeichnet. Und hat ihn...
8. Lesung
Labe also den Hungernden, und du brauchst am schlimmen Tage nicht zu bangen vor dem Zorn, der kommen soll. Es heißt ja: Wohl dem, der Einsehen hat mit Hilflosen und Armen; denn am bösen Tage wird ihn der Herr erretten. Arbeite also und bebaue dieses Stück Land, lieber Bruder, damit es dir reiche Frucht trage an fettem Weizen, damit der Same sich vermehre und dir mit reichem Gewinn hundertfältigen Ertrag bringe! Das Verlangen und Streben nach solchem Besitz und solchem Geschäft ist eine heilige und heilbringende Habsucht. Denn eine solche Begierde, die sich das Himmelreich verdienen will und sich nach ewigen Gütern sehnt, ist die Wurzel alles Guten. Nach solchen Reichtümern also traget Verlangen und sucht solche Güter zu besitzen, die euch der Gläubiger mit hundertfältiger Frucht zurückerstatten wird; so könnt ihr auch eure Erben mit ewigen Gütern beglücken. Denn nur der Besitz ist wirklich groß und kostbar, der seinen Besitzer nicht mit einer Unmenge irdischer Güter belastet, sondern mit ewigem Gewinn bereichert.
R. Eure Lenden sollen umgürtet sein und brennende Lampen in euren Händen; * seid Menschen ähnlich, die auf ihren Herrn warten, wenn er von der Hochzeit kommt. V. Wachet also, denn ihr wißt nicht, zu welcher Stunde euer Herr kommen wird. Seid Menschen... Ehre... Seid Menschen...
Falls dieses Fest auf einen Samstag trifft, wird die 9. Lesung von der Vigil des hl. Johannes des Täufers genommen; sonst:
9. Lesung
Geliebteste! Strebt aber nicht nur nach den ewigen Gütern, sondern sucht auch von den unzähligen Übeln frei zu werden; danach trachtet mit steter Sorge, durch emsiges, rechtes Tun! Wir brauchen große Hilfe und starken Schutz, wir haben die Unterstützung durch vieles, unablässiges Beten nötig. Denn unser Widersacher ruht nicht; er ist stets auf unser Verderben bedacht und umlauert alle unsere Wege. In diesem Leben gibt es zudem viele Kreuze, zahllose Gefahren, schlimme Krankheiten, hohes Fieber; schmerzbringende Pfeile dringen auf die Seelen ein, das Feuer der Leidenschaften lodert auf. Überall sind versteckte Schlingen gelegt, von allen Seiten werden drohend Schwerter gezückt, unter Verfolgungen und Kämpfen geht das Leben dahin, wir schreiten über Feuer, das unter der Asche heimlich glimmt. Bevor du also durch Zufall oder durch deine Schuld in eines von diesen vielen Übeln hineingerätst, suche eilends den Schutz und die Liebe deines Arztes dir zu erringen, damit dir zur Zeit der Not das rettende Heilmittel nicht fehle. Es ist etwas anderes, wenn du allein für dich betest, oder wenn viele bei Gott für dich anhalten.
Tedeum.
Deutsches Brevier - Vollständige Übersetzung des Stundengebetes der römischen Kirche - Erster Band: Advent bis Pfingsten - Herausgegeben von Dr. Johann Schenk - Zweite, unveränderte Auflage - Verlag Friedrich Pustet Regensburg - Transscription: © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell, Paul O. Schenker