21. Juni
Hl. Bekenner Aloisius von
Gonzaga
Duplex
Allgemeiner Festtag S. [57].
Kirchengebet
Gott, Du Ausspender himmlischer Gaben, Du hast n dem engelgleichen Jüngling Aloisius eine wunderbare Unschuld des Lebens mit einer gleich großen Bußgesinnung vereint; gewähre uns durch seine Verdienste und seine Fürbitte, daß wir ihn, dem wir in seiner Unschuld nicht gefolgt sind, in seiner Buße nachahmen; durch unsern Herrn.
2. Nachtstunde
4. Lesung
Aloisius war der Sohn des Markgrafen Ferdinand Gonzaga von Castiglione-Stiviere. Weil Gefahr für sein Leben bestand, mußte er schnell getauft werden und wurde also sozusagen eher für den Himmel als für die Erde geboren. Diese Erstlingsgnade bewahrte er mit solcher Standhaftigkeit, daß man glauben konnte, er stehe ganz fest in der Gnade. Beim ersten Erwachen der Vernunft weihte er sich sogleich Gott dem Herrn und führte nun ein von Tag zu Tag heiligeres Leben. Mit 9 Jahren gelobte er zu Florenz vor dem Altar der allerseligsten Jungfrau, die er stets als seine Mutter verehrte, ewige Jungfräulichkeit; und er bewahrte sie auch unter dem besonderen Beistand der göttlichen Gnade; nie geriet sie durch eine Anfechtung des Geistes oder des Fleisches in Gefahr. Auch die anderen Leidenschaften begann er schon in diesem Alter so tapfer zu unterdrücken, daß er später nicht einmal die leiseste Regung verspürte. Seine Sinne, vor allem die Augen, hielt er streng in Zucht; er schaute nicht nur Maria von Österreich, der er mehrere Jahre hindurch wie alle Edelknaben des Königs von Spanien fast täglich seine Aufwartung machen mußte, nie ins Angesicht, er war auch im Anblick seiner Mutter sehr zurückhaltend; deshalb wurde er mit Recht ein Mensch ohne Fleisch oder ein Engel im Fleisch genannt.
R. Der Herr brachte ihn zu Ehren, schützte ihn vor seinen Feinden und stellte ihn sicher vor seinen Verfolgern; * und verlieh ihm ewige Herrlichkeit. V. Der Herr führte den Gerechten auf rechten Wegen und zeigte ihm das Reich Gottes. Und verlieh...
5. Lesung
Mit dieser Wachsamkeit über seine Sinne verband er strenge Abtötung seines Körpers. Er fastet dreimal in der Woche, und zwar meist bei etwas Wasser und Brot; dabei war sozusagen seine ganze Lebenszeit ein beständiges Fasten, da seine Mahlzeit kaum eine Unze ausmachte. Oft geißelte er sich dreimal im Tag mit Stricken oder Ketten; zu den Geißeln fügt er manchmal noch Hunderiemen, zu den Bußgürteln Pferdesporen. In das weiche Bett legte er heimlich Holzstücke, so daß es ganz hart wurde; das tat er auch in der Absicht, eher zum Gebet zu erwachen; denn einen großen Teil der Nacht brachte er, auch mitten im Winter, nur mit einem Hemd bekleidet, auf den Knien liegend oder vor Schwäche auf den Boden hingestreckt, mit der Betrachtung göttlicher Dinge zu. Auch bei Tag hielt er so drei, vier oder fünf Stunden unbeweglich aus, bis er wenigstens eine Stunde ohne die geringste Zerstreuung hinbringen konnte. Der Lohn dieser anhaltenden Bemühungen war die stete Sammlung seines Geistes beim Gebet, so daß er nie auf andere Dinge abschweifte, vielmehr wie in einer ununterbrochenen Verzückung ganz in Gott versunken war. Um ihm ganz anzugehören, schloß er sich schließlich nach dreijährigem harten Kampfe mit seinem Vater, nach Verzicht auf seine Rechte auf die Fürstenkrone zugunsten seines Bruders, zu Rom der Gesellschaf Jesu an, zu der er schon zu Madrid durch eine himmlische Stimme gerufen worden war.
R. Der Herr hat ihn geliebt und ausgezeichnet, mit einem Ehrenkleid ihn angetan; * und hat ihn an den Pforten des Paradieses gekrönt. V. Der Herr hat ihn gerüstet mit dem Panzer des Glaubens und ihn ausgezeichnet. Und hat ihn...
6. Lesung
Schon im Noviziat galt er als ein Meister in allen Tugenden. Sehr genau war er in der Beobachtung selbst der kleinsten Vorschriften, einzig dastehend war seine Verachtung der Welt, unversöhnlich sein Haß gegen sich selbst; die Gottesliebe glühte so mächtig in ihm, daß sie allmählich auch seinen Leib verzehrte. Man befahl ihm deshalb, wenigstens eine Zeitlang den Geist von göttlichen Dingen abzulenken; doch vergebens bemühte er sich, vor Gott zu fliehen, der ihm überall nahte. Mit staunenswerter Liebe umfaßte er auch seine Mitmenschen; in den öffentlichen Krankenhäusern, in denen er freudigen Herzens seine Dienste anbot, zog er sich eine ansteckende Krankheit zu. Diese zehrte seine Lebenskraft langsam auf, und so ging er am 21. Juni, so wie er vorausgesagt hatte, in seinem 24. Lebensjahre, nachdem er noch kurz vorher gebeten hatte, ihn zu geißeln und auf die Erde zu legen, in den Himmel ein. Die heilige Maria Magdalena von Pazzis sah in einer Verzückung, wie er dort eine solche Herrlichkeit genoß, die sie im Himmel kaum für möglich gehalten hätte; und sie erklärte, er sei ein ganz hervorragender Heiliger und ein unbekannter Martyrer der Liebe. Er wurde auch durch viele große Wunder verherrlicht. Nachdem diese ordnungsgemäß geprüft worden, nahm Benedikt XIII. den engelgleichen Jüngling in das Verzeichnis der Heiligen auf und stellte ihn als Vorbild der Unschuld und Reinheit und zugleich als Patron der Jugend, vorzüglich der studierenden, auf.
R. Dieser Mann tat alles, was ihm Gott aufgetragen hatte; und er sprach zu ihm:; Geh ein in meine Ruhe; * denn ich habedich gerecht befunden vor mir unter allen Völkern. V. Dieser verachtete das Lebenedder Welt und gelangt zum Himmelreich. Denn ich... Ehre... Denn ich..
3. Nachtstunde
Lesung aus dem hl. Evangelium nach Matthäus
7. Lesung Kap. 22,29-40
In jener Zeit antwortete Jesus den Sadduzäern und sprach: Ihr irrt und versteht weder die Schrift noch die Kraft Gottes. Denn im Zustand nach der Auferstehung wird man weder zur Ehe nehmen noch zur Ehe genommen werden, sondern man wird wie die Engel Gottes im Himmel sein; usw.
Auslegung des hl. Johannes Chrysostomus
Die Jungfräulichkeit ist ein hohes Gut; das gestehe auch ich. Sie ist sogar besser als die Ehe; auch darin stimme ich dir bei. Ja, wenn du willst, füge ich noch hinzu: Sie übertrifft die Ehe so sehr an Wert, wie der Himmel über der Erde, wie die Engel über den Menschen stehen; und wenn man noch mehr sagen soll, sie steht auch noch höher über ihr. Denn wenn die Engel nicht heiraten und nicht verheiratet werden, so tragen sie eben auch nicht Fleisch und Blut; sie wohnen überdies auch nicht auf Erden, sind nicht den Reizen der Leidenschaften oder Begierden unterworfen, brauchen keine Speise und keinen Trank; sie sind nicht derart, daß ein süßer Gesang, eine weichliche Melodie oder eine schöne Gestalt sie locken könnte; sie können durch keine derartige Lockung gefangen werden.
R. Das ist der Mann, der große Tugenden vor Gott geübt und den Herrn aus seinem ganzen Herzen gelobt hat, * er möge für die Sünden aller Völker um Vergebung flehen. V. Seht, ein Mann ohne Tadel, ein wahrer Diener Gottes, der sich von allem Bösen rein bewahrte und in seiner Unschuld verharrte. Er möge...
8. Lesung
Obwohl das Menschengeschlecht unter diesen seligen Geistern steht, strebt es dennoch mit aller Kraft und allem Eifer danach, soweit es möglich ist, ihnen gleichzukommen. Wie geht das? Die Engel heiraten nicht; auch die Jungfrau nicht. Sie stehen allzeit vor Gott und dienen ihm, auch die Jungfrau tut das. Solange die Jungfrauen noch von der Last des Körpers niedergehalten werden, können sie zwar nicht wie die Engel in den Himmel eingehen, aber sie haben dafür einen Ersatz in dem hohen Troste, daß sie den König des Himmels aufnehmen dürfen, wenn sie an Leib und Seele heilig sind. Siehst du also die Vortrefflichkeit des jungfräulichen Lebens, wie es die Erdenbewohner so sehr erhebt, daß sie, obwohl sie noch mit dem Körper bekleidet sind, dennoch den körperlosen Geistern gleich werden.
R. Eure Lenden sollen umgürtet sein und brennende Lampen in euren Händen; * seid Menschen ähnlich, die auf ihren Herrn warten, wenn er von der Hochzeit kommt. V. Wachet also, denn ihr wißt nicht, zu welcher Stunde euer Herr kommen wird. Seid Menschen... Ehre... Seid Menschen...
9. Lesung
Ich frage nun, welcher Unterschied besteht denn zwischen den Engeln einerseits und Elias, Eliseus und Johannes, diesen wirklichen Liebhabern der Jungfräulichkeit andererseits? Kein anderer, als daß sie eine sterbliche Natur besaßen. Denn wenn man nur genau hinschaut, wird man finden, daß sie im übrigen jenen seligen Geistern in nichts nachstanden. und gerade das, wodurch sie tiefer zu stehen scheinen, muß ihnen zum höchsten Lobe angerechnet werden. Denn schau, mit welcher Energie und Klugheit müssen diese Erdbewohner, die eine sterbliche Natur besaßen, ausgerüstet gewesen sein, daß sie durch gewaltiges Ringen zu dieser Tugend gelangen konnten!
Tedeum.
Vesper vom Kapitel ab vom folgenden Tag.
Deutsches Brevier - Vollständige Übersetzung des Stundengebetes der römischen Kirche - Erster Band: Advent bis Pfingsten - Herausgegeben von Dr. Johann Schenk - Zweite, unveränderte Auflage - Verlag Friedrich Pustet Regensburg - Transscription: © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell, Paul O. Schenker