11. Juni
Hl. Apostel Barnabas
Duplex majus
Alles vom allgemeinen Festtag der Apostel während
der Osterzeit S. [18]; außer:
Kirchengebet
Gott, Du erfreust uns durch die Verdienste und Fürsprache Deines heiligen Apostels Barnabas; gewähre uns huldvoll, daß wir Deine Wohltaten, die wir durch ihn erbitten, durch Deine Gnade und Güte auch erlangen; durch unsern Herrn.
Gedächtnis des vorhergehenden Tages:
Ant. Ihre Hand öffnete sie usw. V. Anmut ist ausgegossen usw. S. 42*.
Kirchengebet wie oben S. 969.
1. Nachtstunde
Aus der Apostelgeschichte
1. Lesung Kap. 13, 43-47
Als die Versammlung sich aufgelöst hatte, folgten viele von den Juden und den gottesfürchtigen Proselyten dem Paulus und Barnabas. Diese redeten ihnen eindringlich zu, in der Gnade Gottes zu verharren. Am folgenden Sabbat versammelte sich fast die ganze Stadt, um das Wort Gottes zu hören. Beim Anblick dieser Menge wurden die Juden voll Eifersucht und widersprachen den Worten des Paulus und stießen Schmähungen aus. Da erklärten Paulus und Barnabas freimütig: Euch mußte zuerst das Wort Gottes gepredigt werden. Weil ihr es aber von euch weiset und euch selbst des ewigen Lebens nicht wert erachtet, wenden wir uns zu den Heiden. Denn also hat uns der Herr geboten: Ich habe dich zum Lichte der Heiden gesetzt, damit du ihnen zum Heile seist bis ans Ende der Erde.
R. Glücklich der Mann S. [19].
2. Lesung Kap. 13, 48-52
Die Heiden hörten dies voll Freude und priesen das Wort des Herrn; und es wurden gläubig, so viele ihrer zum ewigen Leben bestimmt waren. Das Wort des Herrn wurde ausgebreitet in der ganzen Gegend. Doch die Juden reizten die gottesfürchtigen Frauen aus vornehmem Stande und die Obern der Stadt auf, erregten eine Verfolgung gegen Paulus und Barnabas und vertrieben sie aus ihrem Gebiet. Diese schüttelten den Staub von ihren Füßen, zum Zeugnis gegen sie, und kamen nach Ikonium. Die Jünger aber wurden erfüllt mit Freude und Heiligem Geiste.
R. Eure Traurigkeit S. [19].
3. Lesung Kap. 14,1-3
Auch in Ikonium gingen sie miteinander in die Synagoge der Juden und predigten, so daß eine große Zahl Juden und Heiden den Glauben annahm. Die Juden aber, die ungläubig blieben, reizten und erregten die Heiden wider die Bürder. Trotzdem blieben sie geraume Zeit daselbst und redeten freimütig im Herrn, der dem Worte seiner Gnade die Bestätigung verlieh durch Zeichen und Wunder, die er durch sie geschehen ließ.
R. Kostbar ist S. [19].
2. Nachstunde
4. Lesung
Barnabas, ein Levit, stammte von Cypern; er hieß auch Joseph. Mit Paulus wurde er zum Apostel für die Heiden bestimmt, um diesen das Evangelium Jesu Christi zu verkünden. Er verkaufte den Acker, den er besaß, und brachte den Erlös den Aposteln. Er wurde nach Antiochien gesandt, um dort zu predigen; als er sah, daß dort schon viele sich zum Glauben an Christus, den Herrn, bekehrt hatten, freute er sich sehr und ermahnte sie, im christlichen Glauben auszuharren. Seine Ermahnungen hatten guten Erfolg; denn alle hielten ihn für einen trefflichen Mann, voll des Heiligen Geistes.
R. Ein ewiges Licht S. [20].
5. Lesung
Von da reiste er nach Tarsus, um Paulus aufzusuchen; mit ihm kam er wieder nach Antiochien. Bei der dortigen Gemeinde blieben sie ein Jahr und unterrichteten die Leute im christlichen Glauben und Leben. Dort wurden auch die Bekenner Jesu Christi zuerst Christen genannt. Die Jünger des Paulus und Barnabas unterstützten, soweit sie konnten, die Christen in Judäa und schickten durch Paulus und Barnabas Geld dorthin. Nachdem sie diesen Liebesdienst ausgeführt hatten, kehrten sie nach Antiochien zurück. Dabei nahmen sie Johannes, der auch Markus genannt wird, mit.
R. Mit großer Kraft S. [20].
6. Lesung
Als Paulus und Barnabas zu Antiochien in der dortigen Gemeinde mit den übrigen Propheten und Lehrern unter Fasten und Beten dem Herrn dienten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir Saulus und Barnabas zu dem Werke aus, zu dem ich sie bestimmt habe. Alsdann fasteten und beteten sie, legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen. So kamen sie nach Seleucia und von dort nach Cypern; außerdem durchwanderten sie viele Städte und Länder und verkündeten das Evangelium zum größten Nutzen für die Zuhörer. Zuletzt trennte sich Barnabas von Paulus und fuhr zusammen mit Johannes, der Markus genannt wurde, nach Cypern. Dort gewann er ungefähr im siebten Jahr der Regierung Neros, am 11. Juni, neben seinem Apostelamt auch die Krone des Martyriums. Sein Leib wurde unter Kaiser Zeno auf der Insel Cypern aufgefunden; auf seiner Brust lag das Evangelium des hl. Matthäus, von Barnabas eigenhändig geschrieben.
R. Das sind die S. [20].
3. Nachtstunde
Lesung aus dem hl. Evangelium nach Matthäus
7. Lesung Kap. 10,16-22
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; usw.
Auslegung des hl. Johannes Chrysostomus
Nachdem der Herr alle Sorge aus den Herzen der Jünger genommen, nachdem er sie gewappnet hatte durch die Wunder, die er vor ihren Augen gewirkt, nachdem er sie von allen irdischen Dingen losgelöst, von aller Sorge um zeitliche Dinge freigemacht und sie so gleichsam eisern und stahlhart gemacht hatte, nun erst sagte er ihnen die ihnen bevorstehenden Schwierigkeiten voraus. Viele Vorteile ergaben sich aus dieser Vorherverkündigung der kommenden Dinge. Zunächst erkannten sie, daß er die Gabe hatte, die Zukunft vorauszuwissen; sodann konnte niemand auf den Gedanken kommen, die schweren Leiden rührten von der Ohnmacht des Meisters her; ferner konnten die, die solches leiden mußten, nicht in Verwirrung geraten, wenn es einmal ganz plötzlich und unvermutet eintrat; shcließlich brauchten sie nicht außer Fassung zu geraten, wenn sie es kurz vor seinem Leiden und Sterben gehört hätten.
R. Ich bin der wahre S. [20].
8. Lesung
Damit sie aber auch merkten, daß es sich um eine neue Kriegsart und eine ganz ungewohnte Kampfesweise handelte, da er sie ohne jede Ausrüstung aussandte, nur mit einem Rock bekleidet, ohne Schuhe, ohne Stock, ohne Gürtel und ohne Tasche, da er ihnen gebat, bei gastfreundlichen Menschen um Nahrung zu bitten, darum beendigte er hier seine Rede noch nicht, sondern zeigte ihnen auch noch seine wunderbare Macht, indem er sprach: Auch wenn ihr so dahinzieht, sollt ihr dennoch die Sanftmut der Schafe bewahren, obgleich ihr zu Wölfen gehen müßt, und nicht bloß zu Wölfen, sondern sogar mitten unter die Wölfe. Ja, sie sollten nicht nur die Sanftmut der Schafe besitzen, sondern auch die Einfalt der Tauben. So werde ich dann meine Kraft ganz deutlich zeigen, wenn Wölfe von den Schafen überwunden werden, wenn sie, obwohl sie mitten unter Wölfen sind und zahllose Bisse empfangen, nicht nur nicht umgebracht werden, sondern sogar jene noch nach ihrem Vorbild umformen.
R. Strahlend hell S. [20].
9. Lesung
Es ist doch sicher größer und bewundernswerter, die Gegner umzustimmen und umzuformen, als sie zu töten, zumal da sie nur zwölf waren, die Welt aber voll von Wölfen war. Schämen wir uns also, die wir gerade das Gegenteil tun und uns wie Wölfe auf unsere Gegner stürzen. Solange wir Schafe sind, werden wir Sieger bleiben; auch wenn tausend Wölfe um uns wüten, wir werden sie überwinden und siegreich bleiben. Wenn wir aber Wölfe werden, dann werden wir unterliegen. Denn dann zieht der gute Hirt seine Hilfe von uns zurück, da er nicht Wölfe, sondern Schafe weidet.
Tedeum.
Deutsches Brevier - Vollständige Übersetzung des Stundengebetes der römischen Kirche - Erster Band: Advent bis Pfingsten - Herausgegeben von Dr. Johann Schenk - Zweite, unveränderte Auflage - Verlag Friedrich Pustet Regensburg - Transscription: © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell, Paul O. Schenker