5. Juni
Hl. Bischof und Martyrer Bonifatius
Duplex, Allgemeiner Festtag S. [47]

 

Kirchengebet

Gott, Du hast in Deiner Huld durch den Eifer Deines heiligen Martyrers und Bischofs Bonifatius zahlreiche Völker zur Erkenntnis Deines Namens berufen; gib, daß wir, die wir sein Fest begehen, auch seinen machtvollen Schutz erfahren, durch unsern Herrn.

Gedächtnis des vorhergehenden Tages:
Ant.: Dieser Bekenner hat usw. V. Der Herr hat den Gerechten usw. S. 42*.
Kirchengebet wie oben S. 963.

2. Nachtstunde

4. Lesung

Bonifatius, vorher Winfried genannt, wurde gegen Ende des 7. Jahrhunderts in England geboren. Schon in früher Jugend faßte er aus Überdruß vor der Welt den Entschluß, ins Kloster zu gehen. Sein Vater versuchte vergeblich, durch weltliche Freuden ihn umzustimmen. So trat er denn ins Kloster ein und suchte unter der Leitung des heiligen Wolphard jegliche Tugend und Wissenschaft zu erlangen. Mit 30 Jahren empfing er die Priesterweihe. Nun verkündete er unermüdlich das Wort Gottes; zum größten Gewinn für die Seelen versah er dieses Amt. Gleichwohl war er unzufrieden und konnte nur unter Tränen an die vielen heidnischen Völker denken, die in Finsternis und Unwissenheit dahinlebten und dem Teufel dienten. Seine Sehnsucht war, mitzuarbeiten an der Ausbreitung des Reiches Christi. Sein Eifer für die Seelen wuchs von Tag zu Tag und steigerte sich zu ganz unwiderstehlichem Verlangen. Unter Tränen und Gebeten suchte er den Willen Gottes zu erkennen und erlangte schließlich vom Vorsteher seines Klosters die Erlaubnis, nach Deutschland zu gehen.

R. Ein ewiges Licht usw. S. [49].

5. Lesung

Mit zwei Begleitern fuhr er von England ab und kam nach Dorestade in Friesland. Da aber damals gerade ein heftiger Krieg zwischen dem Friesenkönig Radbod und Karl Martell ausgebrochen war, blieb seine Predigt ohne Erfolg. Deshalb kehrte er nach England zurück; er ging wieder in sein Kloster und wurde dort gegen seinen Willen sogar zum Obern gewählt. Nach zwei Jahren legte er mit Zustimmung des Bischofs von Vinton sein Amt wieder nieder und ging nach Rom, um vom Apostolischen Stuhl sich die Vollmacht zu erwirken, den Heiden predigen zu dürfen. In Rom wurde er von Gregor II. freundlich aufgenommen; der Papst gab ihm auch statt Winfried den Namen Bonifatius. Er wies ihn nach Deutschland. Bonifatius verkündete also zuerst in Thüringen und Sachsen den christlichen Glauben. Inzwischen war auch der Friesenkönig Radbod, der grimmige Feind des Chirstentums, gestorben; darum kehrte Bonifatius nach Friesland zurück und verkündigte hier an der Seite des heiligenWillibrord drei Jahre lang das Evangelium mit solchem Erfolg, daß er die Götzenbilder zerstörte und zahllose Gotteshäuser errichten konnte.

R. An seinen Knechten usw. [S.50].

6. Lesung

Der heilige Willibrord wollte ihn zum Bischof weihen, doch er lehnte ab, um sich ungehinderter der Bekehrung der Ungläubigen widmen zu können. Er ging wieder nach Deutschland und bewog mehrere tausend Hessen, von ihrer Abgötterei abzulassen. Von Papst Gregor wurde er nach Rom gerufen. Er legte ein feierliches Glaubensbekenntnis in die Hand des Papstes ab und wurde von ihm zum Bischof geweiht. Dann kehrte er nach Deutschland zurück und rienigte Hessen und Thüringen vollständig von den Überresten des Götzendienstes. Wegen dieser hohen Verdienste wurde er von Gregor III. zum Erzbischof erhoben und bei seiner dritten Romreise vom Papst zum Legaten des Apostolischen Stuhles bestellt. Kraft dieser Vollmacht errichtete er vier Bistümer und hielt verschiedene Kirchenversammlungen ab; unter diesen ist die von Estiennes besonders bemerkenswert; sie fand in Belgien im Bistum Cambrai statt; damals tat Bonifatius auch sehr viel, um den Glauben in Belgien zu fördern. Vom Papst Zacharias wurde er zum Erzbischof von Mainz ernannt; auf Geheiß dieses Papstes salbte er auch Pipin zum Frankenkönig. Nach dem Tode des heiligen Willibrord übernahm er die Leitung der Kirche von Urtrecht, zunächst durch seinen Vertreter Eoban, dann persönlich; er gab nämlich das Bistum Mainz wieder ab und nahm in Utrecht seinen Sitz. Da die Friesen wieder ins Heidentum zurückgefallen waren, zog er noch einmal dorthin, um ihnen das heilige Evangelium zu verkünden. Mitten in dieser Tätigkeit wurde er mit Bischof Eoban und vielen anderen an der Borna von verbitterten Heiden grausam ermordet und so mit der Palme des Martyriums geziert. Der Leib des heiligen Bonifatius wurde nach Mainz gebracht und, wie er selbst bei Lebzeiten gewünscht hatte, im Kloster Fulda, das er errichet hatte, beigesetzt; dort wurde er durch viele Wunder verherrlicht. Papst Pius IX. dehnte das Stundengebet und die Messe zu seiner Ehre auf die ganze Kirche aus.

R. Töchter Jerusalems usw. S. [50]

3. Nachtstunde

Lesung aus dem hl. Evangelium nach Matthäus

7. Lesung Kap. 5,1-12

In jener Zeit, als Jesus die Scharen sah, stieg er auf einen Berg; und nachdem er sich gesetzt hatte, traten seine Jünger zu ihm; usw.

Auslegung des hl. Bischofs Augustinus

Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott anschauen. Wie töricht sind also diejenigen, die Gott mit den Augen des Leibes schauen möchten, wo er doch nur mit dem Auge des Geistes zu sehen ist. An einer andern Stelle steht ja auch geschrieben: Suchet ihn in der Einfalt des Herzens. Ein einfältiges Herz ist soviel wie ein reines Herz. Und wie man das Licht nicht sehen kann, wenn man nicht klare, reine Augen hat, so kann man auch Gott nicht sehen, wenn das Herz nicht klar und rein ist, mit dem man ihn schauen kann. Selig die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Im Frieden liegt die Vollkommenheit; da gibt es keinen Widerstreit. Darum werden die Friedfertigen Kinder Gottes genannt, weil bei ihnen nichts im Gegensatz zu Gott steht; denn Kinder müssen doch eine Ähnlichkeit mit dem Vater haben.

R. Ich bin der wahre usw. S. [50].

8. Lesung

In Frieden mit sich sind diejenigen, welche alle Regungen des Herzens in Zucht halten und der Vernunft unterordnen, d.h. dem Verstande und dem Geiste, welche die Begierden des Fleisches zügeln; diese bilden das Reich Gottes. Darin ist alles wohl geordnet; das, was im Menschen das Wichtigste und Wertvollste ist, gibt auch den Ausschlag, und das andere, was wir mit den Tieren gemeinsam haben, kann sich nicht dagegen auflehnen. Zugleich ist das, was den Menschen auszeichnet, nämlich Verstand und Vernunft, dem Höheren unterworfen; dieses Höhere ist die ewige Wahrheit selbst, der eingeborene Sohn Gottes. Denn man kann nicht über den niederen Teil gebieten, wenn man sich nicht selbst dem Höheren unterordnet. Das ist der Friede, der auf Erden den Menschen gegeben wird, die eines guten Willens sind; das ist das Leben eines vollendeten vollkommenen Weisen.

R. Strahlend hell usw. S. [51].

9. Lesung

Aus diesem friedlichen und wohlgeordneten Reiche wurde der Fürst dieser Welt hinausgeworfen, der über die Verkehrten und Ordnungslosen herrscht. Ist dieser Friede im Innern hergestellt und befestigt, dann muß jener, der hinausgeworfen wurde, mit allen Ränken, die er von außen her anzettelt, nur Gottes Ehre befördern; denn er kann an diesem Gebäude nichts zum Wanken bringen, sondern er macht durch das Versagen seines Ränkespiels nur offenbar, wie festgefügt der Bau ist. Deshalb heißt es weiter: Selig, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen; denn ihrer ist das Himmelreich.

Tedeum.

Vesper vom Kapitel ab vom folgenden Tag.


Deutsches Brevier - Vollständige Übersetzung des Stundengebetes der römischen Kirche - Erster Band: Advent bis Pfingsten - Herausgegeben von Dr. Johann Schenk - Zweite, unveränderte Auflage - Verlag Friedrich Pustet Regensburg - Transscription: © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell, Paul O. Schenker