27. Mai
Hl. Bekenner und Kirchenlehrer Beda, der Ehrwürdige
Duplex, Allgemeiner Festtag S. [69]; Hymnus verändert.

Ant. z. Mag. Du bester Lehrer usw. S. [70]

Kirchengebet

Gott, Du verherrlichst Deine Kirche durch die Gelehrsamkeit Deines heiligen Bekenners und Lehrers Beda; verleihe gnädig Deinen Dienern, daß sie allzeit durch seine Weisheit erleuchtet werden und durch seine Verdienste Hilfe finden; durch unsern Herrn.

Gedächtnis des vorhergehenden Tages:

Ant. Dieser Bekenner hat usw. V. Der Herr hat den Gerechten usw. S. 42*.

Kirchengebet

Gott, du hast usw. wie oben S. 951.

Gedächtnis des heiligen Papstes und Martyrers Johannes I.:

Ant. Ein ewiges Licht usw. V. Ihr Heiligen und Gerechten usw. S. 40*.

Kirchengebet

Gott, Du erfreust uns durch die jährliche Feier Deines heiligen Martyres und Papstes Johannes; gewähre uns gnädig, die wir sein Fest feiern, daß wir uns auch seines Schutzes erfreuen dürfen; durch unsern Herrn.

2. Nachtstunde

4. Lesung

Der Priester Beda stammte aus Yorm an der Grenze von England und Schottland; mit sieben Jahren wurde er dem heiligen Benedikt Biskop, Abt von Wiremuth, zur Erziehung übergeben. Er wurde später Mönch und lebte so gewissenhaft, daß er, obwohl er sich ganz dem Studium der Künste und Wissenschaften hingab, doch keine von seinen Verpflichtungen als Ordensmann vernachlässigte. Es gab kein Wissensgebiet, in das er sich nicht mit allem Fleiße vertieft hätte. Seine hauptsächlichste Beschäftigung aber war die Betrachtung der Heiligen Schrift; um deren Sinn besser zu verstehen, lernte er Griechisch und Hebräisch. Mit 30 Jahren empfing er auf Befehl seines Abtes die Priesterweihe. Auf Veranlassung des Bischofs Akka von Hagulstad begann er nun sofort, die heiligen Bücher zu erklären. Dabei hielt er sich getreu an die Auffassung der heiligen Väter und lehrte nichts, was er nicht durch Aussprüche von ihnen belegen konnte, ja, er hielt sich sogar genau an ihre Ausdrucksweise. Den Müßiggang haßte er; vom Studium ging er zum Gebet, vom Gebet zum Studium. Dabei geriet sein Herz so in Feuer, daß ihm oft während des Studiums oder während des Vortrags die Tränen kamen. Um nicht durch die Sorge für vergängliche Dinge abgelenkt zu werden, lehnte er beharrlich die ihm angebotene Abtswürde ab.

R. Der Herr brachte ihn usw. S. 951.

5. Lesung

Der Name Bedas wurde infolge seiner Gelehrsamkeit und seiner Frömmigkeit bald so berühmt, daß der heilige Papst Sergius sich ernstlich mit dem Gedanken trug, ihn nach Rom zu rufen, damit er dort mitarbeite an der Lösung der großen Schwierigkeiten in Glaubenssachen, die damals aufgetaucht waren. Er schrieb mehrere Bücher, um die Sittlichkeit unter den Gläubigen zu heben, um die Glaubenswahrheiten zu verteidigen und zu erklären. Dadurch erwarb er sich bei allen ein solches Ansehen, daß der heilige Bischof und Martyrer Bonifatius ihn eine Leuchte der Kirche nannte, daß Lanfrank ihn als den Lehrer Englands und das Konzil von Aachen ihn als einen staunenswerten Lehrer bezeichnete. Seine Schriften wurden schon bei seinen Lebzeiten öffentlich in den Kirchen gelesen. Dabei nannte man ihn, weil man ihn nicht als heilig bezeichnen durfte, den Ehrwürdigen. Diese Bezeichnung blieb dann auch später, als ob sie zu seinem Namen gehören würde. Seine Lehren machten um so größeren Eindruck, weil sie durch sein heiligmässiges Leben, seine Tugenden und Frömmigkeit ihre Bestätigung fanden. Infolgedessen erzog er auch seine Schüler, deren er viele und hochbegabte hatte, durch seinen Eifer und durch sein Beispiel nicht nur zu ausgezeichneten Gelehrten, sondern auch zu großen Heiligen.

R. Der Herr hat ihn geliebt usw. S. 952.

6. Lesung

Von Alter und Mühen gebrochen, wurde er schließlich schwer krank. Mehr als 50 Tage lag er darnieder, ließ aber nicht ab, wie gewöhnlich zu beten und die Schrift zu erklären. Während dieser Zeit übersetzte er das Johannesevangelium für seine Volksgenossen ins Englische. Am Vorabend von Christi Himmelfahrt merkte er, daß der Tod nahe. Da verlangte er nach den Sterbesakramenten der Kirche; dann umarmte er seine Mitbrüder, ließ sich auf den Boden auf ein Bußgewand legen, wiederholte immer wieder die Worte: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, und entschlief im Herrn. Sein Leib, so wird berichtet, verbreitete einen angenehmen Geruch. Er wurde im Kloster Yorm bestattet; später wurde er zusammen mit den Gebeinen des heiligen Cuthbert nach Durham übertragen. Von den Benediktinern und anderen Orden und Diözesen wurde er schon länger als Kirchenlehrer verehrt. Leo XIII. aber erklärte ihn auf Vorschlag der heiligen Ritenkongregation zum Lehrer der allgemeinen Kirche und bestimmte, daß an seinem Festtag die Messe und das Stundengebete der Kirchenlehrer überall gefeiert werde.

R. Dieser tat alles usw. S. 952.

3. Nachtstunde

Lesung aus dem hl. Evangelium nach Matthäus

7. Lesung Kap. 5,13-19

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz schal geworden ist, womit soll dann gesalzen werden? usw.

Auslegung des hl. Priestes Beda Venerabilis

Mit der Erde ist die menschliche Natur, mit dem Salz die wahre Weisheit gemeint. Denn durch Ausstreuen von Salz wird die Erde unfruchtbar. Darum lesen wir von manchen Städten, daß sie von den Siegern in ihrem Zorne mit Salz bestreut wurden. Das ist ja auch die Wirkung der Lehre der Apostel, daß sie durch das Salz der Weisheit im Menschen die Lust der Welt oder die häßlichen Laster in Schranken hält und sie nicht mehr hochkommen läßt. Wenn aber das Salz schal geworden ist, womit soll man dann noch salzen? Das heißt: Wenn ihr, durch die die Völker gesalzen werden sollen, aus Furcht vor Verfolgungen oder aus Angst das Himmelreich verliert, so stellt ihr euch außerhalb der Kirche und müßt zweifellos die Schmähungen der Feinde über euch ergehen lassen. Ihr seid das Licht der Welt. Das heißt: Ihr seid vom wahren Licht erleuchtet und müßt darum denen, die in der Welt sind, ein Licht sein. Eine Stadt, die auf dem Berge liegt, kann nicht verborgen bleiben, d.h. die Lehre der Apostel, die auf Christus beruhrt, oder die Kirche, die aus vielen Völkern durch den einen Glauben auf Christus erbaut wurde und durch das Band der Liebe zusammengehalten wird. Sie ist für den, der ihr beitritt, eine Sicherheit, für den, der ihr von außen naht, voll von Schwierigkeiten. Sie beschützt den, der in ihr wohnt, und schließt aus, wer ihr feindlich gesinnt ist.

R. Das ist der Mann, der große Tugenden vor Gott geübt und den Herrn aus seinem ganzen Herzen gelobt hat; * er möge für die Sünden aller Völker um Vergebung flehen. + V. Seht, ein Mann ohne Tadel, ein wahrer Diener Gottes, der sich von allem Bösen reinbewahrte und in seiner Unschuld verharrte. Er möge...

8. Lesung

Man zündet kein Licht an und stellt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter. Unter den Scheffel stellt es, wer das Licht des Glaubens durch die Sorge um irdische Vorteile verdunkelt und verdeckt, auf den Leuchter aber, wer sich derart dem Dienste Gottes hingibt, daß ihm die wahre Lehre mehr gilt als die Pflege des Körpers. In anderer Weise hat unser Erlöser ein Licht angezündet, als er die Hülle der menschlichen Natur mit dem Feuer seiner Gottheit erfüllte und dieses auf den Leuchter erhob, d.h. seiner Kirche übergab, indem er in unseren Köpfen den Glauben an seine Menschwerdung fest verankerte. Dieses Licht konnte nicht unter den Scheffel gestellt, d.h. nicht in die Grenzen des alten Gesetzes eingeschlossen werden. Es leuchtete ja auch nicht nur in Judäa, sondern in der ganzen Welt.

R. Inmitten der Gemeinde hat der Herr seinen Mund geöffnet; * er erfüllte ihn mit dem Geiste der Weisheit und des Verstandes. + V. Freude und Frohlocken häufte er über ihn. Er erfüllte... Ehre... Er erfüllte...

Die Lesungen der 3. Nachtstunde vom Evangelium: Eure Lenden sollen usw. S. [72].

Vom heiligen Papst und Martyrer Johannes I.:

9. Lesung

Johannes stammte aus Etrurien; er leitete die Kirche zur Zeit des Kaisers Justinus des Älteren. Zu ihm kam der Papst hilfesuchend nach Konstantinopel, weil der irrgläubige König Theodorich ganz Italien verwüstete. Seine Reise hat Gott auch durch Wunder verherrlicht. Ein vornehmer Mann gab ihm nämlich zu Korinth ein Pferd zur Weiterreise. Zuvor hatte es seine Gattin immer benutzt und es war ganz zahm gewesen. Als der Papst es aber seinem Herrn wieder zurückgab, wurde es ganz wild; wütend bäumte es sich immer wieder auf und warf seine Herrin ab, als ob es nun die Frau nicht mehr tragen wollte, nachdem der Statthalter Jesu Christi darauf gesessen. Darum schenkten sie das Pferde dem Papst. Noch größer war das Wunder, als er zu Konstantinopel beim goldenen Tor vor einer gorßen Volksmenge, die zusammen mit dem Kaiser dem Papst entgegengezogen war, um ihn zu empfangen, einem Blinden das Augenlicht wiedergab. Da warf sich selbst der Kaiser ihm zu Füßen und huldigte ihm. Nachdem er mit dem Kaiser sich geeinigt hatte, kehrte er nach Italien zurück. Gleich darauf schrieb er an alle Bischöfe Italiens, sie sollten alle Kirchen der Arianer nach katholischem Ritus weihen; er fügte hinzu: Auch ich habe, als ich zu Konstantinopel war, um Schutz zu suchen für die katholische Religion, sowie auch wegen des Vorgehens des Königs Theodorich, alle Kirchen der Arianer, die ich in jenen Ländern finden konnte, zu katholischen Kirchen geweiht. Theodorich nahm dies aber sehr ungnädig auf; er lockte den Papst hinterlistigerweise nach Ravenna und ließ ihn dort in den Kerker werfen. Vor Entbehrungen und Hunger starb er dort schon nach wenigen Tagen. Er hatte 2 Jahre, 9 Monate und 14 Tage regiert und hatte in dieser Zeit 15 Bischöfe geweiht. Bald darauf starb auch Theodorich; ein Einsiedler sah, so berichtet der heilige Gregor, wie er in den Krater des Lipari hineingeworfen wurde. Zu beiden Seiten standen Papst Johannes und der edle Symmachus, den er ebenfalls getötet hatte; so sollten also diese beiden, die er getötet hatte, gleichsam Zeugen seines Unterganges sein. Der Leib des Johannes wurde von Ravenna nach Rom gebracht und in der Basilika des heiligen Petrus beigesetzt.

Tedeum.

Zur Laudes Gedächtnis des heiligen Papstes Johannes:

Ant. Töchter Jerusalems usw. V. Kostbar ist usw. S. 41*.

Kirchengebet: Gott, Du erfreust usw. wie oben S. 953

Vesper vom Kapitel ab vom folgenden Tag.


Deutsches Brevier - Vollständige Übersetzung des Stundengebetes der römischen Kirche - Erster Band: Advent bis Pfingsten - Herausgegeben von Dr. Johann Schenk - Zweite, unveränderte Auflage - Verlag Friedrich Pustet Regensburg - Transscription: © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell, Paul O. Schenker