15. Mai
Hl. Bekenner Johannes Baptist de la Salle
Duplex, Allgemeiner Festtag S. [69]; Hymnus verändert

Kirchengebet

Gott, Du hast den heiligen Bekenner Johannes Baptist berufen, die Armen im christlichen glauben zu unterrichten und die Jugend sicher auf dem Weg der Wahrheit zu führen, und Du hast durch ihn eine neue Ordensfamiie in der Kirche gegründet; verleihe uns gnädig, daß wir auf seine Fürsprache hin nach seinem Beispiel glhen vor Eifer für Deine Ehre und für die Rettung der Seelen und einst im Himmel die gleiche Krone wie er erlangen dürfen; durch unsern Herrn.

2. Nachtstunde

4. Lesung

Johannes Baptist de la Salle stammte aus einer vornehmen Familie in Reims; schon als Knabe zeigte er durch sein Betragen und sein Handeln, daß er für den Dienst des Herrn bestimmt war und daß er sich einst durch große Heiligkeit auszeichnen werde. Als Jüngling widmete er sich auf der Akademie in Reims dem Studium der Wissenschaften, namentlich der Philosophie. Obwohl er wegen seiner guten Charaktereigenschaften und wegen seines sonnigen anziehenden Gemütes bei allen beliebt war, hielt er sich dennoch von seinen Altersgenossen fern; er wollte lieber allein sein, um so sich leichter Gott hingeben zu können. Schon früh trat er in den geistlichen Stand und wurde mit 16 Jahren unter die Domherrn von Reims aufgenommen. Er begab sich nach Paris, um dort an der Sorbonne Theologie zu studieren, und trat in das Seminar des heiligen Sulpitius ein. Doch bald darauf verlor er seine Eltern; da sah er sich gezwungen, nach Hause zurückzukehren, um die Erziehung seiner Brüder zu übernehmen. Obwohl er in der Zwischenzeit das Studium der Theologie nicht aufgab, löste er diese Aufgabe mit bestem Erfolg, wie der Ausgang bewies.

R. Der Herr brachte ihn zu Ehren, schützte ihn vor seinen Feinden und stellte ihn sicher vor seinen Verfolgern; * und verlieh ihm ewige Herrlichkeit. + V. Der Herr führte den Gerechten auf rechten Wegen und zeigte ihm das Reich Gottes. Und verlieh...

5. Lesung

Endlich wurde er zum Priester geweiht. Voll freudigen Glaubens und glühender Liebe trat er zum ersten Male an den Altar, und mit der gleichen Glaubensfreudigkeit und Liebesglut feierte er die heilige Handlung alle Tage seines Lebens. Von brennendem Seeleneifer getrieben, widmete er sich nun ganz der Arbeit am Heil der Seelen. Er übernahm die Leitung der Schwestern vom Kinde Jesu, die sich mit der Erziehung von Mädchen befaßten; er leitete diese Genossenschaft mit großer Klugheit und rettete sie vor dem Untergang. Dann wandte er sich mehr der Erziehung von Knaben aus dem Volke zu und suchte sie in der christlichen Lehre zu unterrichten und zu einem guten Leben anzuleiten. Gerade dafür hatte Gott ihn ausersehen; er sollte in der Kirche eine neue Ordensgenossenschaft gründen und sollte so für lange Zeit in wirksamer Weise für den Unterricht der Knaben, insbesondere der ärmeren, sorgen. Diese von der göttlichen Vorsehung ihm gestellte Aufgabe löste er glücklich trotz vieler Hindernisse und großer Schwierigkeiten. Er gründete eine Vereinigung von Brüdern und nannte sie Schulbrüder.

R. Der Herrr hat ihn geliebt und ausgezeichnet, mit einem Ehrenkleid ihn angetan; * und hat ihn an den Pforten des Paradieses gekrönt. + V. Der Herr hat ihn gerüstet mit dem Panzer des Glaubens und ihn ausgezeichnet. Und hat ihn...

6. Lesung

Mit den Männern, die sich ihm für seine wichtige, schwierige Arbeit anschlossen, wohnte er zunächst noch in seinem eigenen Hause; bald siedelten sie jedoch in ein geeigneteres Gebäude über. Er führte sie in bester Weise in seine Lebensform ein, gab ihnen eine Regel und weise Konstitutionen, die später von Benedikt XIII. bestätigt wurden. In seiner Demut und seiner Liebe zur Armut verzichtete er auf seine Stelle als Domherr und verteilte seinen ganzen Besitz an die Armen. Später legte er, nachdem er es mehrmals vergeblich vesucht hatte, auch die Leitung seiner Genossenschaft freiwillig nieder. Aber er ließ nicht das Geringste nach, für seine Brüder und für die vielerorts bereits gegründeten Schulen zu sorgen, und wollte nur um so eifriger einzig Gott dienen. Unablässig tötete er sich ab durch Fasten, Geißelungen und andere strenge Übungen; ganze Nächte brachte er im Gebete zu. Er zeichnete sich aus durch allseitige Tugend, besonders durch Gehorsam, durch das Verlangen, stets den Willen Gottes zu erfüllen, durch Liebe und Verehrung gegen den Apostolischen Stuhl; reich an Verdiensten entschlief er schließlich nach Empfang der heiligen Sakramente im Herrn im Alter von 68 Jahren. Papst Leo XIII. nahm ihn in das Verzeichnis der Seligen auf. Als er dann durch neue Wunder verherrlicht wurde, schenkte er ihm im Jubiläumsjahr 1900 die Ehren der Heiligen.

R. Dieser tat alles, was Gott ihm aufgetragen hatte, und er sprach zu ihm: Geh ein in meine Ruhe; * denn ich habe dich gerecht befunden vor mir unter allen Völkern. + V. Dieser verachtete das Leben der Welt und gelangte zum Himmelreich. Denn ich... Ehre... Denn ich...

3. Nachtstunde

Lesung aus dem hl. Evangelium nach Matthäus

7. Lesung Kap. 18,1-5

In jener Zeit traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist wohl der Größte im Himmelreich? usw.

Auslegung des hl. Johannes Chysostomus

Seht zu, daß ihr keines von diesen Kleinen verachtet; denn ihre Engel schauen immerfort das Angesicht meines Vaters, und ich bin ihretwegen gekommen; das ist der Wille meines Vaters. Er empfiehlt uns, mit besonderer Sorgfalt auf den Schutz und die Bewahrung der Kinder bedacht zu sein. Du siehst doch, welche gewaltige Mauern er zum Schutz der Kleinen aufgerichet hat, welchen Eifer und welche Sorge er hat, daß sie nicht zugrunde gehen. Zunächst droht er denen, die sie verachten, die schlimmsten Strafen an, dann verheißt er den reichsten Lohn denen, die für sie sorgen, und er bekräftigt dies durch sein und seines Vaters Beispiel.

R. Das ist der Mann, der große Tugenden vor Gott geübt und den Herrn aus seinem ganzen Herzen gelobt hat, * er möge für die Sünden aller Völker um Vergebung flehen. + V. Seht, ein Mann ohne Tadel, ein wahrer Diener Gottes, der sich von allem Bösen rein bewahrte und in seiner Unschuld verharrte. Er möge...

8. Lesung

So wollen also auch wir den Herrn nachahmen und keine Arbeit für unsere Brüder unterlassen, selbst wenn sie niedrig und allzu minderwertig zu sein scheint. Vielmehr soll uns, wenn unsere Hilfe einmal notwendig ist, selbst wenn der, dem unser Dienst gilt, ganz gering und verachtet ist, selbst wenn der Dienst selbst uns schwierig und mühevoll scheinen will, trotz alledem soll uns, ich bitte euch, mit Rücksicht auf das Wohl des Bruders all das erträglich und leicht vorkommen! Denn Gott hat gezeigt, daß die Seele dieser Mühe und Sorge wert ist, da er nicht einmal seinen eigenen Sohn geschont hat.

R. Eure Lenden sollen umgürtet sein und brennende Lampen in euren Händen; * seid Menschen ähnlich, die auf ihren Herrn warten, wenn er von der Hochzeit kommt. + V. Wachet also, denn ihr wißt nicht, zu welcher Stunde der Herr kommen wird. Seid Menschen... Ehre... Seid Menschen...

9. Lesung

Um selig zu werden, genügt es also nicht, selbst tugendhaft zu leben, sondern wir müssen auch für das Wohl unserer Mitmenschen tatkräftig sorgen. Wie wollen wir also einst uns rechtfertigen, wenn wir selbst nicht tugendhaft leben, und auch andere nicht dazu anhalten? Wie können wir dann noch auf die ewige Seligkeit hoffen? Was gibt es Größeres, als Seelen zu leiten, als junge Leute zu bilden? Ich glaube, einer, der es versteht, die Herzen junger Menschen zu formen, steht weit höher als ein Maler, ein Bildhauer oder ähnlicher Künstler.

Tedeum.

In der Vesper Gedächtnis des folgenden Tages.


Deutsches Brevier - Vollständige Übersetzung des Stundengebetes der römischen Kirche - Erster Band: Advent bis Pfingsten - Herausgegeben von Dr. Johann Schenk - Zweite, unveränderte Auflage - Verlag Friedrich Pustet Regensburg - Transscription: © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell, Paul O. Schenker