12. Mai
Hll. Martyrer Nereus,
Achilleus, Jungfrau Domitilla und Pankratius
Semiduplex, Allgemeiner Festtag S. [47]
Kirchengebet
Herr, die heilige Festfeier Deiner Martyrer Nereus, Achilleus, Domitilla und Pankratius möge allzeit ein Segen für uns sein und möge uns würdig machen, Dir zu dienen; durch unsern Herrn.
2. Nachtstunde
4. Lesung
Die Brüder Nereus und Achilleus waren Diener der Flavia Domitilla und wurden zusammen mit ihr und deren Mutter Plautilla vom heiligen Petrus getauft. Da sie Domitilla dazu bewogen, ihre Jungfräulichkeit Gott zu weihen, wurden sie von deren Bräutigam Aurelian als Christen angezeigt und wegen ihres standhaften Bekenntnisses des Glaubens auf die Insel Pontia verbannt. Dort wurden sie von neuem vor Gericht gestellt und mit Geißeln geschlagen; dann wurden sie nach Terracina geschleppt und von Minuzius Rufus gefoltert und mit Fackeln gebrannt. Da sie aber standhaft erklärten, sie seien vom heiligen Petrus getauft und sich durch keinerlei Qualen dazu bringen ließen, den Götzen zu opfern, wurden sie enthauptet. Ihre Leiber wurden von Auspicius, ihrem Schüler, dem Erzieher der Domitilla, nach Rom gebracht und an der Adreatinischen Straße beigesetzt.
R. Ein ewiges Licht wird Deinen Heiligen leuchten, o Herr, * auf immer und auf ewig, alleluja, alleluja. V. Ewige Freude wird auf sie herabströmen, Wonne und Frohlocken wird sie umfangen. Auf immer...
5. Lesung
Die römische Jungfrau Flavia Domitilla war eine Nichte der Kaiser Titus und Domitian. Vom heiligen Papst Klemens erhielt sie den heiligen Schleier der gottgeweihten Jungfrauen. Von ihrem Bräutigam Aurelian, dem Sohne des Konsuls Titus Aurelius, wurde sie als Christin angezeigt und vom Kaiser Domitian auf die Insel Pontia verbannt; dort mußte sie im Gefängnis ein langes Martyrium erdulden. Schließlich wurde sie nach Terracina gebracht und bekannte sich auch dort wiederum als Anhängerin Christi, ja, sie schien immer mutiger zu werden. Zuletzt wurde auf Befehl des Richters ihre Wohnung in Brand gesteckt; so vollendete sie mit den Jungfrauen Theodora und Euphrosina, die mit ihr aufgezogen worden waren, ihr ruhmreiches Martyrium. Es war am 7. Mai, zur Zeit des Kaisers Trajan. Ihre Leiber fand man unversehrt; sie wurden vom Diakon Cäsarius bestattet. Am heutigen Tage aber brachte man die Überreste der beiden Brüder und der Domitilla aus der Kirche des heiligen Hadrian in die eigens zu ihrer Verehrung erbaute Basilika, die den Titel Fasciola trägt.
R. An seinen Knechten, alleluja, * hat Gott trostvolle Freude, alleluja. V. Richten wird der Herr sein Volk; an seinen Knechten. Hat Gott...
6. Lesung
Pankratius stammte aus einer vornehmen Familie in Phrygien; als Knabe von 14 Jahren kam er zur Zeit der Kaiser Diokletian und Maximian nach Rom. Dort empfing er vom Papst die Taufe und wurde im christlichen Glauben unterrichtet. Deswegen wurde er bald darauf verhaftet, weigerte sich aber standhaft, den Götzen zu opfern; mit Mannesmut bot er seinen Nacken dar und errang sich eine herrliche Marterkrone. Seinen Leib holte in der Nacht eine fromme Frau namens Oktavilla, salbte ihn und bestattete ihn an der Aurelianischen Straße.
R. Töchter Jerusalems, kommt und seht die Martyrer mit ihren Kronen, mit denen der Herr sie gekrönt hat * am Tag der Feier und der Freude, alleluja. V. Denn er hat befestigt die Riegel deiner Tore, gesegnet deine Kinder in dir. Am Tag... Ehre... Am Tag...
3. Nachtstunde
Lesung aus dem hl. Evangelium nach Johannes
7. Lesung (Kap. 4,46-53)
In jener Zeit war da ein königlicher Beamter, dessen Sohn in Kapharnaum krank lag; usw.
Auslegung des hl. Papstes Gregor
Warum hat wohl der Herr, als der Beamte ihn bat, zu seinem Sohn zu kommen, sich geweigert, selbst zu gehen? Zum Knecht des Hauptmannes wollt er doch auch selbst gehen, obwohl dieser ihn gar nicht gebeten hatte. Dem Sohne des königlichen Beamten wollte er nicht persönlich beistehen, zum Knecht des Hauptmannes dagegen wollte er selber kommen. Damit wollte er sicher unseren Hochmut brechen, da wir an unseren Mitmenschen nicht die Natur, durch die wir Gott gleich sind, sondern ihre Würden und Reichtümer schätzen. Unser Erlöser aber wollte uns zeigen, daß das, was bei den Menschen etwas gilt, zu verachten ist, daß dagegen das, was von den Menschen mißachtet wird, nicht mißachtet werden darf. Darum wollte er zum Sohn des königlichen Beamten nicht hingehen, wohl aber zum Knecht des Haptmannes.
R. Ich bin der wahre Weinstock und ihr seid die Reben; * wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht, alleluja, alleljua. V. Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Wer in...
8. Lesung
So wurde also unser Hochmut beschämt; denn er weiß nicht die Menschen als solche zu schätzen. Er betrachtet, wie gesagt, nur das Äußere an den Menschen, schaut nicht auf das, was sie wirklich sind, und erkennt nicht, welche Ehre ihnen um Gottes willen gebührt. Seht, der Sohn Gottes will nicht zum Sohn des königlichen Beamten gehen; aber er ist gerne bereit, zu kommen, um den Knecht zu heilen. Wenn uns irgendein Knecht bitten würde, wir sollten zu ihm kommen, da würde uns sicher sogleich unser Hochmut zuflüstern: Geh nicht hin. Du erniedrigst dich nur, deine Ehre leidet darunter, der Ort ist zu gemein für dich. Seht, Christus ist vom Himmel gekommen; er verschmäht es nicht, zu einem Knecht auf Erden zu eilen; wir dagegen sind von der Erde und wollen uns auf Erden nicht verdemütigen!
R. Strahlend hell sind die ihm Geweihten geworden, alleluja, für Gott ein Ruhmesglanz, alleluja; * wie Milch sind sie gereinigt worden, alleluja, alleluja. V. Weißer als Schnee, klarer als Milch, leuchtender als altes Elfenbein, schöner als Saphirstein. Wie Milch... Ehre... Wie Milch...
9. Lesung
Betrachtet daher an euch selbst nicht das, was ihr habt, sondern was ihr seid. Seht, die Welt, die so sehr geliebt wird, vergeht. Die Heiligen, an deren Grabstätte wir stehen, haben die Welt mit ihrer Pracht aus ganzer Seele verachtet und mit Füßen getreten. Zu ihrer Zeit konnte man ein langes Leben, beständiges Wohlergehen, reichen Besitz, zahlreiche Nachkommenschaft, Ruhe und ungestörten Frieden haben; und dennoch erschien ihnen die Welt, obwohl sie noch in vollster Blüte stand, in ihrem Herzen schon als welk und verdorrt. Seht! jetzt ist die Welt wirklich verwelkt, und dennoch blüht sie noch immer, allerdings nur in unseren Herzen. Überall Tod, Jammer und Trostlosigkeit; von allen Seiten werden wir heimgesucht und mit Bitternis erfüllt; aber unsere fleischliche Begierde macht uns blind, daß wir selbst diese Bitterkeiten noch lieben, daß wir der Welt, obgleich sie schon hinschwindet, noch nachlaufen, daß wir uns noch an sie klammern, obwohl sie schon im Wanken ist.
Tedeum.
Vesper vom folgenden Tag.
Deutsches Brevier - Vollständige Übersetzung des Stundengebetes der römischen Kirche - Erster Band: Advent bis Pfingsten - Herausgegeben von Dr. Johann Schenk - Zweite, unveränderte Auflage - Verlag Friedrich Pustet Regensburg - Transscription: © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell, Paul O. Schenker