Aus dem Immaculata-Archiv:


Die weinende Gottesmutter

von

Pater Joh. Jos. Schons O.S.B.

Imprimi potest! + P. Jos. Odo Alardo abbas Claravallenses. die 11. Junii 1934.
Nr. 4582. Imprimatur. Apost. Administratur Innsbruck, 16. Nov. 1934, Urban Draxl, Prov.


Geleitwort.

Vom Kalvarienberge geht der Strom aller Gnaden aus. Dort starb eines blutigen Sühnetodes Christus, unser Erlöser, und dort opferte Maria ihr eigenes Leiden mit dem Leiden Christi auf für die armen Sünder der Welt. Dadurch offenbarte die Leidensmutter unter dem Kreuze in Verbindung mit dem sterbenden Sohne den Gipfel ihrer inneren Größe.

Ihr Leiden mit Jesus macht sie mächtig und erhebt sie zur Gandenvermittlerin. Darum zeigt die zweite Hälfte des Mittelalters so zahlreiche Bilder der schmerzhaften Mutter, darum ist sie so reich an Marienklagen, an poetischen Ergüssen, worin Maria ihrem Schmerz über den Tod ihres Sohnes Ausdruck verleiht.

Maria war jedoch nicht nur unter dem Kreuze Leidensgenossin Christi und Miterlöserin, sondern sie war es ihr ganzes Leben hindurch.

Die hehre Gottesmutter hat in ihrem lebenslänglichen Martyrium für uns alle die größten Schmerzen erlitten. Sie hat sogar reichliche Tränen vergossen, die unserer besonderen Verehrung wert sind. Einst offenbarte die allerseligste Jungfrau der hl. Brigitta folgendes: "Als das bittere Leiden meines Sohnes herannahte, waren unaufhörlich Tränen in meinen Augen, und vor Angst und Trauer bedeckte kalter Schweiß meine Glieder."

Die Mutter Gottes wird wegen ihrer übergroßen Leiden und Schmerzen auf der ganzen Welt als "Schmerzhafte Mutter Gottes" angerufen und verehrt. Zu diesem Zwecke entstanden auch die vielen Wallfahrtsorte zur "gnadenvollen Schmerzensmutter".

Der liebe Heiland schaut mit Wohlgefallen auf die Leidbeladenen, die bei dieser Mutter Trost und Hilfe suchen. Aber Maria, in ihrer großen Liebe zu uns Menschenkindern, wünscht noch mehr angerufen zu werden, um mit vollen Händen die Gnadenschätze Christi austeilen zu können. Einst beklagte sie sich folgendermaßen bei der hl. Brigitta: "Ich schaue auf alle Menschen, ob jemand Mitleid mit mir habe und meiner Schmerzen gedenke, doch ich sehe nur wenige." Möchten recht viele diesen Klageruf Marias erfassen! Möchten doch viele Bedrückte und Hilfesuchende sich an ihr gütiges Mutterherz wenden, um dort die Marienliebe zu verkosten und Trost zu finden. Möchte Maria immer mehr in ihren Schmerzen verehrt und angerufen werden!

Dieses hat uns dazu bewogen, in den folgenden Kapiteln die Leidensgeschichte Marias zu beschreiben und sie besonders, an Hand von vielen antiken und modernen Dokumenten, als "Siebenschmerzenmutter" und als die weinende, Tränen vergießende Jungfrau in besondere Erinnerung zu bringen.

Clerf, Abtei St. Mauritius (Lux.), den 5. Juni 1934.


Die weinende Jungfrau und die Kirchenväter

Wenn man die Leiden betrachtet, welche die Märtyrer für ihren Glauben erduldeten, so ist man voll Bewunderung über ihren Starkmut und ihre Ausdauer inmitten der grausamsten Qualen. Aber ihre Leiden halten den Vergleich mit den unermeßlichen Schmerzen Mariens nicht aus; denn Maria war ohne Trost und ohne Erleichterung in ihrem Martyrium. Tauler schreibt darüber: "Ihr Kreuz war so schwer und ihre Trauer so tief, daß jede Erleichterung und jeder Trost in diesem grenzenlosen Schmerz verschwunden wäre, gleich dem Tropfen eines kostbaren Getränkes in dem bitteren Meereswasser."

Das Martyrium Marias sollte nicht schon nach kurzer Dauer, in einer feierlichen Himmelfahrt, seinen Abschluß finden, nein, denn die Gottesmutter wußte, daß sie noch viele Jahre auf Erden ohne Jesus zubringen müsse. Ihr Sohn selbst starb nicht, um mit Gott geeint zu werden, da er Gott war, sondern er starb einzig und allein für uns arme Geschöpfe, die wir durch unsern Ungehorsam und unsere Beleidigungen uns des Mitleides, das er für uns hegte, recht unwürdig machten. Obschon Maria jedes Trostes beraubt war, blieb sie dennoch stark und beharrlich inmitten der gegen sie entfachten Stürme.

Durch das Anführen der Worte der Heiligen Schrift "Maria stand unter dem Kreuze", wollte der hl. Ambrosius beweisen, daß Maria nicht geweint habe. Es kann möglich sein, daß das Übermaß der Schmerzen die Augen der zartfühlenden Mutter ausgetrocknet, und daß ihr die Erleichterung durch Tränenvergießen versagt war. Vielleicht auch weinte sie nicht, weil sie in allen Geschehnissen den Willen des himmischen Vaters und dessen göttlichen Sohnes erkannte, sowie den unendlichen Gewinn, den die Menschen aus dem erhabenen Opfer ziehen würden.

Trotz der großen Autorität des hl. Ambrosius sind doch viele Kirchenväter und Theologen der Meinung, Maria habe während der Leidenspassion des Erlösers Tränen vergossen. Und warum sollte sie das Beispiel Jesu nicht nachahmen und weinen, wie er geweint, da sie seine Schmerzen unter dem Kreuze miterduldete?

Der hl. Antonin zeigt uns Maria ganz in Tränen aufgelöst. Er verwirft energisch den Irrtum derjenigen, die die Katholiken verspotten, weil sie ein Fest begehen zu Ehren der Schmerzen der allerseligsten Jungfrau, "da Maria, nach ihrer Meinung, entweder gar nicht oder nur wenig gelitten habe". Dem war aber nicht so, und die Schriften der Kirchenväter sind angefüllt von Beweisen, die von dem Übermaß der Leiden Marias beredtes Zeugnis ablegen. Wie sollte sie auch nicht unaussprechlich gelitten haben, da sie sah, wie ihr einzig geliebter Sohn die grausamsten und ungerechtesten Qualen erduldete, wie Er, von seinen Jüngern, seinen Freunden und Verwandten verlassen, der Wut derjenigen ausgesetzt war, die Er durch Wunder, Belehrungen und Wohltaten seinem Gott und Vater zuführen wollte.

So tief ihr Schmerz auch war, so opferte sie dennoch dem ewigen Vater ihren vielgeliebten Sohn, Der sich für die Sünder dahingab. Auch war die Unterwerfung ihres Willens so vollkommen, daß sie Gott dem Vater ihren eigenen Sohn darbrachte und für diesen göttlichen Sohn bereitwilligst das annahm, was Gott gefallen würde in Ihm und durch Ihn zu erfüllen. Der hl. Antonin fürchtete nicht zu behaupten, indem er sich auf die Lehre des hl. Ambrosius stützt, daß Maria nicht zögerte, gleich dem Patriarchen Abraham, ihren eingeborenen Sohn auf dem Altare des Kreuzes zu opfern. Mit dem Hervorstreichen der Tugenden Marias und ihrer grenzenlosen Unterwerfung unter den Willen Gottes unterläßt er es nicht, zugleich von ihren Tränen zu sprechen.

Singt doch auch die heilige Kirche, daß Maria unter dem Kreuze stand, und ihr unerschütterlicher Mut es nicht verhindern konnte, daß sie in Seufzen und Tränen ausbrach:

Stabat Mater dolorosa
Jaxta crucem "lacrimosa"
Dum pendebat Filius.

Maria stand am Fuße des Kreuzes, weil sie wie ihr Sohn ans Kreuz geheftet, gleichsam mit ihm gekreuzigt war: sie war also dessen Stellvertreterin. Christus war aufrecht ans Kreuz genagelt, auch hierin wollte Maria ihrem gekreuzigten Sohne gleichen. Sie stand aufrecht, so daß sie noch vielmehr als Paulus sprechen konnte: "Ich bin mit Christus ans Kreuz genagelt." Dieser Gedanke inspirierte den hl. Bonaventura voll begeisternder Liebe für die seligste Jungfrau auszurufen: "O, meine Königin, wo stehst du? Stehst du nicht unter dem Kreuze? Was sage ich! Du bist mit deinem Sohne ans Kreuz genagelt; denn du bist mit ihm gekreuzigt nur mit dem Unterschied, daß er an seinem Leibe, du aber in deiner Seele leidest."

Maria stand aufrecht im Angesichte des ganzen Universums und inmitten der Erde, wo Christus durch sein Leiden allen ein Schauspiel war und das Heil aller wirkte. Sie stand aufrecht inmitten der Schwerter und Lanzen der Soldaten, welche unter Fluchen und Gotteslästerungen ihren Sohn ans Kreuz schlugen. Sie stand aufrecht und bewunderte dieses neue bis dahin unerhörte Wunderwerk. Und worin bestand dieses Wunderwerk? Es war das Leiden eines Gottes, der die Quelle und der Urheber aller Herrlichkeiten, aller Freuden, aller Glückseligkeiten und alles Lebens ist. Sie stand aufrecht voll Staunen und Bewunderung. Sie dachte nach über die großartigen Erfindungen der weisen Absichten Gottes, die es ermöglichten, daß der wahre Gott in seinem sterblichen Fleische litt.

Sie stand aufrecht und empfing in ihrem eigenen Herzen die Wunden, die Schande und die Leiden ihres Sohnes. Sie stand aufrecht neben einem Märtyrer, war selber Märtyrerin wie Er, verwundet wie Er, gekreuzigt wie Er, wurde fahl, blaß und blutüberströmt wie Er, vergoß Tränen wie Er, schwieg wie Er und starb wie Er. Sie stand aufrecht unter dem Kreuz wie eine Mutter am Krankenlager ihres leidenden Sohnes.

Sie stand aufrecht, als sie mit Mutteraugen die offenen Wunden ihres Sohnes betrachtete. Sie stand aufrecht mit der größten Seelenstärke und der unbesiegbarsten Ausdauer. Die Welt war in Aufregung, die Erde bebte und die Sonne verfinsterte sich, aber Marias Herz blieb unerschütterlich.

Diese fromme Mutter stand aufrecht, da nichts, weder geistig noch physisch, sie von ihrem leidenden und gequälten Sohne trennen konnte.

Sie stand aufrecht, weil sie die Juden, diese geschworenen Feinde ihres Sohnes, nicht fürchtete; denn sie war bereit, mit ihm zu sterben. Sie errötete nicht wegen des Kreuzes und der Schmach ihres Sohnes, und wenn nötig, hätte sie selber Jesus aufgefordert, diesen Tod zu erleiden.

Sie stand aufrecht, indem sie sich dem göttlichen Willen anpaßte und sich über die Früchte dieser Leiden erfreute.

Sie, die treueste Freundin Jesu Christi, war stärker und unerschrockener, selbst mutiger als die Apostel; denn sie ließ nicht von ihrem Sohne und flüchtete nicht wie die Jünger.

Sie stand aufrecht, als ihr Sohn für seine Henker betete, und bewunderte seine Milde. Sie stand aufrecht, weil ihre Einsicht durch ihren Glauben und ihre Hoffnung, ihr Herz aber durch ihre Liebe gestützt wurde. Sie stand aufrecht, da sie die unbegreifliche Güte Gottes überdachte, Der, um Sklaven willen, seines eigenen Sohnes nicht schonte und Ihn einem grausamen Tode überlieferte. Auch bewunderte sie Seine erhabene Gerechtigkeit.

Sie stand aufrecht und dachte nach über die Freigebigkeit des Sohnes Gottes, Der sein Blut vergoß für undankbare Sünder.

Der hl. Ephrem läßt die seligste Jungfrau folgende Worte zu ihrem Sohne sprechen: "Mein vielgeliebter Sohn, Du erhabener Gott, ich fühle, wie das Leben mich verläßt, wenn ich sehe, wie Du an dieses Kreuz geheftet, mit Wunden bedeckt, mit Qualen gemartert, als Missetäter angesehen und vor Durst verschmachtet bist. Mein süßester Jesus, wie konntest Du so viele Backenstreiche und Beleidigungen ertragen, die Dornenkrone, die grausamen Schläge sowie eine wahre Flut von schlechten Behandlungen auf Dich nehmen." O mein geliebtester Bräutigam, wie nackt hängst Du am Kreuz, Du, der Du die ganze Erde mit Bäumen, Pflanzen und Blumen bedecktest? Wie konntest Du vor Durst verschmachten, Du, die ewige Quelle, der Du das Meer, die Flüsse und die Bäche erschaffen hast. Wie konntest Du, der Du die Unschuld selber bist, inmitten von gemeinen Verbrechern sterben? O sanftmütigster Heiland, womit hast Du die Hebräer beleidigt, daß sie Dich so unmenschlich behandeln, da Du doch ihre Toten zum Leben erwecktest, ihre Kranken heiltest, den Blinden das Licht und den Sündern Verzeihung gewährtest?"

Maria stand aufrecht und gab so der ganzen Welt ein leuchtendes Beispiel von Ausdauer; denn weder Trübsal noch Todesangst, weder Androhung noch Verfolgung, weder Schwert noch Tod noch Leben, ja kein einziges Geschöpf konnte sie von der Liebe Christi trennen, mit dem sie so innig verbunden war. Sie stand aufrecht am Fuße des Kreuzes, stark und unerschütterlich, mit übermenschlicher Kraft.

Sie stand aufrecht mit unvergleichlicher Seelenstärke wie der unerschrockene Bannerträger des himmlischen Banners. Wer war mutiger als Petrus, da er zu Jesus sprach: "Ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen." -- Als er aber die Gefahr sah, floh er mit den andern Jüngern und verleugnete sogar seinen Meister. Die allerseligste Jungfrau aber war mit solch erhabener Seelenstärke und solch großem Mute ausgerüstet, daß, wie groß auch das Leiden ihres Sohnes war, sie nichts tat, was ihrer Würde oder der Vernunft entgegen war. Sie jammerte und klagte nicht wie die weinenden Frauen, auch fiel sie nicht in verwirrende Ohnmacht, obschon mehrere Gelehrten behaupten, das Leiden ihres Sohnes und die Unermeßlichkeit seiner Schmerzen hätten ihre Sinne verwirrt, und die zahllosen Todesqualen hätten ihr gleichsam das Leben genommen.

Wir lesen in den Offenbarungen der hl. Brigitta folgenden diesbezüglichen Passus: "Beim ersten Hammerschlag", sagt die seligste Jungfrau, "fiel ich wie tot nieder, und als ich wieder zur Besinnung kam, sah ich, wie Sein Leib durch die Schläge zerrissen war." An einer anderen Stelle spricht Maria: "Als man den ersten Nagel in Sein Fleisch trieb, war ich außer mir und fiel wie tot nieder, meine Augen waren verdunkelt, meine Hände zitterten, meine Füße wankten, und mein Schmerz verhinderte mich zu schauen, bevor er vollständig gekreuzigt war. Als ich mich dann erhob, sah ich, wie mein Sohn, Mitleid erregend, am Kreuze hing." Durch diese Worte lehrt uns die seligste Jungfrau ganz deutlich, welche Art von Leiden sie während der Passion ihres Sohnes litt, nicht die, welche die Sinne verwirren, sondern die, welche den Körper schwächen und ihn zu Boden werfen. Diese Auslegung macht es sehr leicht, die Worte über die Krämpfe Marias mehrerer Kirchenlehrer und anderer frommer Autoren zu erklären.

Die allgemeine Lehre der Theologen geht dahin, daß die allerseligste Jungfrau an keinerlei krampfhaften Leiden zusammenbrach, weder an solchen, die die Sinne verwirren, noch an solchen, die den Körper schwächen und ihn gewaltsam niederwerfen.

In Wirklichkeit war Maria voll der Gnaden. Also darf man ihr keine physischen Gebrechen zuschreiben, weil sie der Fülle der Gnaden nicht entsprechen. Diese Gebrechen sind der Fülle der Gnaden zuwider; denn dazu gehört, daß das ganze Empfindungsvermögen der Autorität der Vernunft unterworfen sein muß. Wenn also die Vernunft über die Empfindung herrscht, so gehorcht der Körper ihren Befehlen. Mithin ist es nicht wahrscheinlich, daß die Vernunft der allerseligsten Jungfrau dem Körper geboten habe niederzufallen, da es eine Unvollkommenheit und Schwachheit wäre, große Trauer und heftigen Seelenschmerz nicht ertragen zu können.

Gott verlieh manch frommen Müttern einen solchen Gnadenreichtum, daß sie mit Mut und Ausdauer den Tod ihrer Kinder ertragen konnten, so die Mutter der Machabäer, die Mutter des hl. Simphorianus und der hl. Felizitas. Warum sollte Maria so schwach gewesen sein, um, von Schmerz und Trauer besiegt, in vollständige Ohnmacht zu fallen. Erinnern wir uns der Worte des hl. Bernhard: "Was den einen bewilligt wurde, darf Ihr nicht verweigert werden."

Diejenigen Kirchenlehrer, welche entgegengesetzter Meinung sind, lassen sich von frommen Eindrücken hinreißen, um sich und die andern zu innigerem Anteil am Leiden Jesu und Mariä anzuspornen. Sie stellen in lebhaften Farben die gewöhnlichen Symptome eines tiefen Mitleids dar, um dem christlichen Volk die Größe der Leiden Marias verständlicher zu machen, damit sie dieselben leichter mitempfinden, andächtiger betrachten und innigeren Anteil daran nehmen.

In diesem Sinne sind auch die Offenbarungen an die hl. Brigitta aufzufassen; denn die seligste Jungfrau Maria spricht die Sprache der Menschen und beschreibt der Heiligen ihren Schmerz, wie betrübte Mütter es zu tun pflegen.

Die Kirche von den "Krämpfen" in Jerusalem, welche genau an derselben Stelle errichtet wurde, wo Maria ihrem Göttlichen Sohne begegnete, will die Gläubigen nur die Angst, die tiefe Erschütterung, den unbeschreiblichen Schmerz Marias in Erinnerung bringen, da sie ihren göttlichen Sohn unter der schweren Last des Kreuzes niederfallen sah. Das Wort "Krampf" bedeutet also nur den überaus großen Schmerz und die Tränen Marias.

Glücklich diejenigen, welche mit Maria unter dem Kreuze Jesu stehen, großmütig an den Leiden des Sohnes und der Mutter teilnehmen nicht nur durch bloßes Betrachten, sondern vielmehr durch wahre Nachahmung. Man muß verstehen aus Liebe zu Gott zu leiden, man muß Buße tun, den Heiland lieben und ihn benedeien, selbst in den größten Widerwärtigkeiten, und in Wahrheit mit Maria unter dem Kreuze stehen.

Die weinende Madonna in der Kunst

Gegen Ende des vierten und zu Beginn des fünften Jahrhunderts entstand im Osten die Überlieferung, daß einige in Jerusalem aufbewahrte Bilder der Madonna -- bis dahin hatte man nur übersinnliche, symbolähnliche Darstellungen von derselben -- wirkliche Bildnisse der Maria oder "Acheropoieta" seien. Man schrieb sie dem hl. Lukas zu, jenem Evangelisten, der es sich ganz besonders hatte angelegen sein lassen, Maria als übermenschliches, in seiner Demut so erhabenes Weib, das Gott erhöhen wollte, darzustellen.

Demgemäß wurden die Züge derjenigen Madonnen, die zu heiligen Reliquien geworden waren, von den Vätern der orientalischen Synode als die der Jungfrau eigentümlichen bezeichnet. Einige dieser sogenannten Bilder des hl. Lukas erinnern an diejenigen der Jungfrau in Reliefs und Wandbildern mit Darstellungen der drei Könige. Verschleiert wie christliche Bräute und zum Teil thronend, halten sie das Christkind auf dem Schoße oder in den Armen, andere erheben die Arme wie die frommen und betenden Seelen der Katakomben, noch andere legen die linke Hand auf die Brust und erheben die Rechte.

Solche Darstellungsweisen erklären sich teils aus anderen, älteren in den christlichen Nekropolen, teils aus dem immer mehr wachsenden Glauben an die Macht der hilfreichen Gottesmutter.

Die sogenannten Madonnen des hl. Lukas hielten sich an die von der griechisch-römischen Kunst überlieferten Formen, im Anschluß an den junonischen, regelmäßigen und würdevollen Typus der alten Gemälde mit den großen Augen, der geraden Nase und dem attischen Kinn.

Die Hodegetria und die Nikopeia waren zwei von den vielen Bildern, die in Konstantinopel, in den Kapellen des Kaiserschlosses und in den Basiliken des Orients verehrt wurden. Sie waren seit Konstantins Zeit mit der Verbreitung des Marienkultus zu Ehren gekommen. Und schon seit dem fünften und sechsten Jahrhundert sah man sie in den Höhlen der Anachoreten Syriens und Ägyptens, auf den Masten der Schiffe, auf den Schlachtfeldern und auf den Mauern belagerter Städte zur Abschreckung der Kriegshorden oder im Triumphzug unter der goldenen Pforte in Byzanz.

Und der Westen, der immer die Schöpfungen des Ostens verarbeitet und verfeinert, empfing das Bildnis der Jungfrau als heiliges Vorbild und Beschützerin der Bedrängten.

Als die christliche Kunst sich ihrer Mittagshöhe näherte, da bekam auch das Marienbild seine glänzendsten Formen, geschmückt mit den schönsten Kunstelementen und den reizendsten Einzelheiten.

Was unseren Standpunkt anbelangt -- Maria als weinende Jungfrau -- so finden wir die Mutter Gottes in den Szenen der Passion -- aber nur in der reifsten Kunstentfaltung -- beteiligt. Wir sehen sie entkräftet und ohnmächtig in den Armen der frommen Jungfrauen oder weinend unter dem Kreuze oder als Jesusträgerin neben demselben.

Es gibt eine Szene, welche im 18. Jahrhundert ihren schönsten Ausdruck fand, obgleich sie aus den apokryphen Evangelien stammt, die Szene nämlich, in welcher Christus von seiner Mutter Abschied nimmt, als er im Begriff ist, sein bitteres Leiden zu beginnen. Corregio schildert den Vorgang beim schwachen Licht des Abends mit vier Figuren, deren lange Schatten sich auf dem Boden abzeichnen. In diesem, bei R. Benson in London befindlichen Gemälde sieht man den Heiland mit geneigtem Haupt und gekreuzigten Armen vor der Mutter auf die Knie geworfen. Er scheint mit bebender Stimme ihr Lebewohl zu sagen und ihren Segen zu erwarten. Ihnen gegenüber befindet sich die bleiche, erschöpfte, Tränen vergießende Maria, die vor Schmerz sich nicht mehr aufrecht halten kann und nicht im Stande ist, dem Sohne sich zu nähern. Ihre Augen, die wie erloschen sind, offenbaren zugleich größte Trauer, Furcht und Schrecken, ihre Lippen sind halb geschlossen, als wenn der Schrei ihrer Seele wie erstickt wäre.

Ein ähnlich lautendes Gemälde von der Hand des Lorenzo Lotto befindet sich in der Berliner Gemäldegalerie.

Die Christusbilder, die Jesu Abschied vor dem Gange zur Passion und die weinende Schmerzensmutter behandeln, scheinen besonders im Gebiete von Venedig ihre Entwicklung gefunden zu haben. In der Galerie der schönen Künste in Wien befindet sich ein solches aus der lombardischen Schule.

Vor allem sehen wir aber die weinende Madonna bei der Kreuzigung Christi. Als die Kirche aus den Katakomben ans Tageslicht trat, wollte sie ihren Triumph durch die Verherrlichung des Kreuzes ausdrücken. Und nun erschien es auf den Fahnen der römischen Legionen, auf den Sarkophagen, in den Apsiden der Mausoleen und Basiliken usw. Nach und nach gehen die Bildner und Maler weiter, und das Bildnis der Schmerzensmutter findet sich neben dem des Lieblingsjüngers.

In diesem Sinne haben wir zwei Bilder aus dem sechsten Jahrhundert: Das Miniaturbild einer syrischen Bibel (Rohault de Fleury, Die hl. Evangelien -- Etudes Kap. 154.) und ein Bild aus Elfenbein, wo Maria unter dem Kreuze steht und weinend ein Linnentuch erhebt, um sich die Augen abzutrocknen.

Auf einem Elfenbeinkasten des Britischen Museums in London befindet sich eine Kreuzigung Christi, wo zur Rechten des Gekreuzigten Maria und Johannes sich befinden. Maria, die sich eng in ihren Mantel gehüllt hat, folgt weinend dem Apostel.

In der syrischen Handschrift des Mönches Rabula in der Biblioteca Laurenziana aus dem Jahre 586 ist die Kreuzigungsgruppe ähnlicherweise entwickelt. Unter anderem steht dort die Jungfrau Maria unter den frommen Frauen. Sie ist geschmückt mit dem Heiligenschein und erhebt den Mantel, als wollte sie damit, nach antiker Sitte, den Riesenschmerz ihres Herzens ausdrücken und ihre Tränen verheimlichen.

Gegen Ende des sechsten und siebten Jahrhunderts wird die Übertragung der Evangelien und der Leidenstragik in dem bildlichen Ausdruck eine fast wörtliche. Neben den frommen und weinenden Frauen und dem hl. Johannes sieht man zur Rechten und Linken des Heilandes die beiden Schächer am Kreuze stehen. Alle diese Figuren entsprechen einander nach den strengsten Überlieferungen.

Während der Karolingischen Epoche erscheinen uns diese Bildnisse in den alten Formen und mit anderen neuen Elementen ausgeschmückt. Auf dem goldenen Kruzifixe des Lotharius zu Aachen richtet sich der Blick der weinenden Mutter und der Schmerz der frommen Frauen auf den starren Körper des göttlichen Dulders. Die weinenden Gesichter verbergen sich vor Sonne und Mond. In einem alten Gedicht, das fälschlich Gregor von Nazianz beigelegt wird, wird die tränenvergießende Jungfrau, welche beim Kreuze steht, von ihrem Sohne gepriesen und aufgefordert, nicht zu weinen, auf daß alles, was verkündet wurde, sich erfülle.

In dieser Empfindung scheint Maria auf einigen Karolingischen Elfenbeinreliefs, der Nationalbibliotheken von Paris, München und Florenz aufgefaßt zu sein.

In den Darstellungen des neunten Jahrhunderts ändert sich das ganze Landschaftsbild. Das Kreuz erhebt sich nicht mehr -- unter anderem -- als Baum des Lebens auf dem mystischen Felsen, sondern als Todesmal der Völker über Erde und Meer.

In dieser Einsamkeit tritt die Gottesmutter an das Kreuz heran, mit der einen Hand das Haupt stützend und still weinend. Ihre Gestalt bleibt ruhig im Schmerze. Sie fällt nicht in Ohnmacht, wie es in den "acta Pilati" erzählt wird, sie fällt nicht mit dem Antlitz zu Boden, wie Beda Venerabilis sie in seinen Meditationen beschreibt. Nach dem altklassichen Gebrauch sucht sie ihren Schmerz dadurch zu deuten, daß sie den Mantel an das Gesicht drückt oder mit der Linken die Wangen berührt.

Nach der Karolingischen Zeit und bis ins 13. Jahrhundert fing die Kunst an, die gewonnenen Elemente zu mischen, die Kreuzigung Christi bildlicher darzustellen und die Schmerzensmutter mit einem syrischen Archaismus zu schmücken. So sehen wir zu Beginn des 12. Jahrhunderts in der Kirche San Clemente in Rom den Heiland am Kreuze mit zwölf Tauben, die auf seinen Armen sitzen.

Auf einem Miniaturbild der "Bibliotheque nationale" in Paris sehen wir (Ms. 510) den Gekreuzigten, bekleidet mit einer Tunika und neben anderen Personen die weinende Maria mit dem Tuche auf den Händen. Ähnliche Haltungen sind zu finden in anderen Manuskripten des neunten Jahrhundert.

In der gleichen Zeit und im zehnten oder elften Jahrhundert steht die weinende Madonna unter dem Kreuze und streckt dem sterbenden Heiland ihre Arme bittend entgegen. So in der Kirche San Clemente, Sant' Urbano und San Paolo in Rom. (Rohault de Fleury, Pl. LXXXVIII und LXXXIX.)

Ein Elfenbeinrelief der Sammlung des Grafen Stroganoff zu Rom, 13. Jahrhundert, und eine andere byzantinische Arbeit, 12. Jahrhundert, des Museums von Berlin stellen die Mutter Gottes mit dem erhobenen Linnen dar.

Das Kreuzigungsgemälde der Kirche Sant' Urbano alla Caffarella bezeichnet einigermaßen die trauernde Schmerzensmutter als Hohepriesterin des Neuen Bundes.

Im Werke Giottos zu Assisi, in welchem neben dem hl. Franziskus die hl. Magdalena wie verzweifeln die Arme erhebt und weinende Engel am Himmel schweben, liegt die weinende Madonna ohnmächtig in den Armen der frommen Frauen. Während zu Aissi Cimabue die weinende Mutter Gottes mühsam an das Kreuz herantreten läßt, hat Nicola Pisano sie an der Kanzel zu Pisa dargestellt, wie sie den frommen Frauen rücklings mit offenen, tränenumflorten Augen in die Arme fällt und als Zeichen ihrer inneren Ergriffenheit die eine Hand auf der Brust hält. Giotto drückt in Padua die plötzliche Ohmacht der Schmerzensmutter aus.

Dramatischer ist die Darstellung Cavallinis zu Assisi und die des Duccio di Boninsegna zu Siena, welche die Jungfrau in den Armen der frommen Frauen herankommen und zum letztenmal das Bild des sterbenden Heilandes ins Auge fassen lassen. Giovanni Pisano bildet dieses Motiv an der Kanzel zu Pistoja weiter aus, in dem er die weinende Maria leblos in die Arme der Frauen sinken läßt.

Von Simona Martini bis zu Bernardino Luini in Saronno scheint die Kreuzigung die letzte Szene eines großen Schaupsiels mit Volksandrang zu sein. Es ist wie ein Mysterienspiel. Doch bleiben im 14. Jahrhundert eine Zeitlang einige Formen der Darstellung der weinenden Jungfrau übrig, die bald (so in Santa Maria Novella in dem Werke Simone Martinis) unter den frommen Frauen erscheint, den Blick auf den Gekreuzigten gerichtet, bald mit schmerzverzogenem Gesichte weinend dasteht, oder das Haupt auf die gefalteten Hände stützt oder auch weinend und wie entseelt zu Boden sinkt.

Im 15. Jahrhundert nimmt das Christusdrama mit Fra Angelico (so im Kloster San Marco) seine harten Formen an und die Schmerzensmutter steht still weinend und gottergeben unter dem Kreuze. Benozzo Gozzoli in Pisa gibt der Mutter Gottes ein sanftes, ruhiges Leidensgepräge. Berühmt war in Bologna das Wandbild der Kreuzigung in San Pietro von Ercole Roberti aus Ferrara. Die Madonna in Ohnmacht unter den weinenden Frauen ist ergreifend dargestellt.

Andere Bilder der Mutter Gottes, die ebenso schmerzerfüllt wirken, sind diejenigen der Galleria Estense zu Modena von Francesco Bianchi-Ferrari, das Reliefbild des National-Museums zu Florenz von Donatello (eine ergreifende Figur des Schmerzes), das Bild Peruginos in Santa Maria Maddalena dei Pazzi in Florenz, das Wandbild im Dom zu Assisi von Cavallini, das Kanzelreliefbild zu Florenz von Donatello, das Kreuzigungsbild der Galleria degli Uffizi zu Florenz von Marco Palmezzano usw.

Dieses genüge, um zu zeigen, wie sehr die Überlieferung Marias Tränen und Schmerz zu verewigen wußte.

Die Vesperbilder.

An vielen Wallfahrtsorten finden wir das Marien-Gnadenbild als weinende Schmerzensmutter mit dem Leichnam Jesu im Schoße.

Dieses Bild, das in Frankreich U.L. Frau vom Mitleid (imago beatae Mariae virginis de pietate -- N.D. de pitié genannt wurde, heißt in den Ländern deutscher Zunge "Vesperbild". Dieser Name kommt daher, weil Christi Fronleichnam zur Zeit der Vesper, in den Abendstunden, vom Kreuze abgenommen und in den Schoß Mariens gelegt wurde, deshalb schaltete man recht oft in den illustrierten Büchern des Officiums U.L. Frau ein solches Bild bei der Vesper ein.

Der hl. Bonaventura hat über diese Begebenheit eine schöne Betrachtung skizziert und beschreibt in herrlichen Worten die weinenden Frauen und die Schmerzensmutter, da sie das Haupt und den Oberkörper ihres vielgeliebten Sohnes in ihrem Schoße ausruhen ließ, und da sie still weinend die Wundmale desselben betrachtete.

Die ältere deutsche Kunst hat sich von dieser Schilderung meist insoweit entfernt, daß sie Christi Leib aus Ehrfurcht nicht auf die Erde, sondern in den Schoß der jungfräulichen Mutter legte.

Diese Darstellung finden wir sehr verbreitet an den Wallfahrtsstätten Deutschlands, z.B. in Dettelbach, Dieburg bei Darmstadt, Georgenberg (Brixen), Bernried (Oberbayern), Kellersbach bei Wetzlar, Eberhartsklausen bei Trier, St. Agnes zu Mainz, Telgte bei Münster, Todtmoos im Schwarzwald, Jakobskirche Nürnberg, Marburg (Elisabeth-Kirche), andere in Landesmuseen, wie Münster i.W., eine Pieta aus dem 15. Jahrhundert von Unna usw.

Eine sehr interessante Madonna dieser Art, welche besonders sprechend ist, da sie ein Tüchlein zum Abtrocknen der Tränen in der Hand hält, befindet sich in der Karmeliterkirche von Boppard.

Ein ähnliches, vielleicht noch schöneres Bild befindet sich in der St. Mauritius-Abtei in Clerf (Lux.). Dasselbe stammt aus der berühmten Sammlung Münzenbergers aus Frankfurt und wird ins 15. Jahrhundert verlegt.

Die byzantinische Kunst gab der Schmerzensmutter eine heroische Größe durch die Szenen bei der Kreuzabnahme. Der Metaphrast zeigt sie, wie sie das Grabmal bestimmt, wie sie hilft, Jesus vom Kreuze herabzunehmen, wie sie die Nägel sammelt, das Leinentuch dem Joseph von Arimathea übergibt, und wie sie alle Winke erteilt zur Einhüllung der heiligen Überreste und zur Grablegung.

So wird Maria in den Elfenbeinreliefs vom 12. bis zum 14. Jahrhundert dargestellt, z.B. in dem Relief des Nationalmuseums zu Ravenna, zu Mailand, ferner in dem Relief zu Parma und im Dom zu Lucca, ein Werk des Nicola Pisano, in dem Maria und Johannes die teuren Arme des toten Christus emporhalten und weinen.

Im Bilde Peruginos in der Galleria antica e moderna zu Florenz sehen wir die weinende Jungfrau, unterstützt von den frommen Frauen, wankend mit geknickten Knien, halb ohnmächtig herankommen, während die Jünger den geliebten Leichnam des Heilandes vom Kreuze herabnehmen.

Signorelli stellte in seinem prächtigen Bild in Umberside, und Begarelli in der Kirche San Francesco in einer gut abgewogenen Komposition die Schmerzensmutter als schon in Ohnmacht gesunken und umgeben von den weinenden Frauen dar.

In dem Elfenbeinrelief, im Museum zu Ravenna, sieht man in dem Bilderstreifen unterhalb der Kreuzabnahme, wie Maria weinend das Haupt Christi erhebt und fest an die Wange drückt. Giotto hatte sämtliche Personen eine wahre Leidenstragik aufgeprägt. Er malte im Oratorio degli Serovegni in Padua die Jungfrau, wie sie mit den Armen das Haupt ihres Sohnes umschlingt, wie sie ihn weinend anschaut, wie sie seufzt und in ein krampfhaftes Schluchzen ausbrechen will. Eine tragische Bestürzung und wehevolle Stimmung obliegt auf den Gesichtern sämtlicher Frauen.

In den Uffizien zu Florenz befindet sich jedoch eine Pieta, die von einem ruhigen Schmerz, einem wahren Geist der Andacht beseelt ist. Giotto hat sie gemalt und wollte ihr ein überirdisches Gepräge verleihen.

Fra Angelico hat ein ähnlich frommes Bild gemalt, das sich in der Galleria antica e moderna zu Florenz befindet. Die Schmerzensmutter, still weinend, umfaßt den Hals ihres geliebten Sohnes.

Diese Frömmigkeit, gepaart mit Sanftmut und ruhiger Gleichförmigkeit, gewinnt mit Giovanni della Robbia, Perugino und anderen die Vorherrschaft. Perugino legte Christus der Madonna in den Schoß. Tränen, die wie Perlen auf den Wangen glänzen, fallen der Jungfrau, dem heiligen Johannes und Magdalena aus den Augen. Das Gepräge der Resignation und des Mitleidens ist in erstaunlichem Maße wiedergegeben.

Donatello dagegen weckt in den Kanzelreliefs der Mediceerkirche zu Florenz und Verocchio in dem Votivrelief für Frederico da Montelfeltre die Erinnerung an einen äußerst großen Schmerz bei der Mutter Gottes. Es ist, als bräche er in einem hellen Schrei aus. Diese Bilder wirken erdrückend auf den Beobachter.

In der Pieta Tracias in Parma und London verschwindet jedoch wieder das Leidenschaftliche des Schmerzes. Christus scheint im Schoße der Mutter sanft zu ruhen, und Maria, wenn auch in großer Trauer gehüllt, weint still ergeben in sich hinein.

Im Cinquecento fand Michelangelo den feierlichsten Ausdruck für den Marienschmerz. Leichte, durchsichtige Schatten fallen auf ihre hehre Stirne, auf die geschlossenen Augen des von der größten Seelenpein ergriffenen Weibes. Buonconsigli legt der weinenden Madonna nur das Haupt Christi in den Schoß, während sie schluchzend die Hände zum Himmel erhebt.

In Venedig malten Cima da Conegliano und Tintoretto die Jungfrau, wie sie in die Arme der frommen Frauen fällt, während ihr Gesicht ganz von Schmerz verzerrt ist. Maria richtet mit der Linken das Haupt Christi auf und betrachtet es, stille vor sich hin weinend. Ihr ganzes Benehmen offenbart die Seelengröße einer Märtyrerin.

Eine andere Szene, die unter vielen nicht weniger großartig ist, findet man in Limburg an der Lahn. Sie heißt: Die Beweinung Christi durch Maria und die Frommen. Es ist ein Werk deutscher Plastik. In stiller Trauer umgeben die Näherstehenden den am Boden liegenden Leichnam Christi. Sie weinen und beweinen. Die empfindungsvollen Klagetöne sind durch das ganze Bild des Hintergrundes wie verklärt. Der edle Zug der Linien und die vornehm gebändigte Haltung des Schmerzes, die Symmetrie der aufrecht stehenden Männer weist ins 14. Jahrhundert zurück.

Ähnliche Bilder neuerer Zeit und auch älterer (Kuhn, allgemeine Kunstgeschichte, Malerei I, 450, 392, 641, 655. Plastik II, 516, 594, 739.) befinden sich noch an vielen anderen Orten. Die schönsten haben wir traditionsgemäß in Kürze erwähnt, um vielen Verehrern Mariae das Sonderstudium derselben zu ermöglichen oder anzubahnen.

Die weinende Maria am Grabe Christi.

Neben den obenerwähnten Bildern, wo Maria weinend am Kreuze Christi und als Pieta, weinend uns vor Augen gestellt wird, hätten wir den Codex Egberti der Stadtbibliothek Trier, die Kreuzabnahme in Externstein bei Paderborn, das Psalterium aus dem Kloster Altzelle in Sachsen, das Evangeliar des hl. Bernhard aus Hildesheim, die Wormser Kreuzigung im Hofmuseum zu Wien, le livre d'heures des Herzogs von Armberg (Brüssel), den Altarschrein in der Marienkirche zu Lübeck und tausend andere anführen können, wo Maria ihren vielgeliebten Sohn beweint und ihre Tränen mit einem Tuche abtrocknet.

Eine andere Szene, wo die Schmerzensmutter weinend angetroffen wird, ist die Übertragung des Leichnams Christi in das Grab und die Grablegung. Es scheint, daß dieser Gedanke im vierten Jahrhundert aus Anregung der Antike, besonders der Sarkophagreliefs inspiriert. Als Donatello die Grablegung Christi schuf, wurde er sicher von der Antike angeregt. Raffael erhob in seinem, für Atlanta Baglioni, zur Aufstellung in San Francesco zu Perugia bestimmten Gemälde der Grablegung, den Gegenstand auf unerreichte Höhe. Bewunderungswürdig ist die Gruppe der unschuldigen und mitleidigen Jungfrauen, welche die ohnmächtig niedersinkende, weinende Madonna auffangen, die wie eine abgeschnittene Lilie zu Boden fällt.

Es gibt auch noch symbolische, nicht historische Darstellungen, in denen die weinende Gottesmutter neben dem Schmerzensmanne steht. Zuweilen ist dabei der Heiland in einen Purpurmantel eingehüllt, oder mit Dornen gekrönt und mit Blut bedeckt, zuweilen hält er auch das Kreuz in der Hand oder sitzt neben der weinenden Madonna und dem hl. Johannes auf seinem Grabstein. Lukas Cranach der Ältere hat ein solches Bild für die Münsterkirche von Freiburg (Beissel, Gesch. Marias in D. S. 400.) gemalt. Es wird allgemein "Barmherzigkeitsbild" genannt. An den Altären des ausgehenden Mittelalters waren solche Gruppen besonders beliebt für die mittlere Nische der Predella des Altaraufbaues. Eine der schönsten sieht man in der Kilianskirche zu Heilbronn. (Münzenberger-Beissel a. O. II. Lfg. 16, Fat. 4.)

Die Grablegung Christi ist der letzte Akt seiner Leidenstragödie. Während die frommen Frauen in Wehklagen ausbrechen, umarmt und küßt die Mutter, in stillem Weinen, den Leichnam ihres Sohnes. Ein Schüler Giottos stellt diese Szene in Assisi und in Santa Croce ganz lebendig dar. Besonders erwähnenswert ist das Bild Bellinis im Flur der Kapelle des Dogenpalastes. Auf ihm lehnt sich das Haupt Christi an die linke Wange der weinenden Mutter.

Christi Grablegung wurde in selbständig aufgestellten Bildwerken, gegen Ende des Mittelalters, wohl in jeder größeren Kirche, in einer bedeutenden plastischen Gruppe gezeigt. Solche heilige Gräber nahmen damals in der Volksandacht dieselbe Stelle ein wie heute die Stationen. Fast immer sieht man die weinende Mutter Gottes vom hl. Johannes gestützt, hinter dem Grabe in der Mitte, also an der Ehrenstelle, neben ihr die beiden anderen Marien, zu Häupten und zu Füßen Christi Joseph und Nikodemus, welche Ihn ins Grab legen. Magdalena wechselt oft die Stelle.

Geistreich ist die Gruppe an der Viktoriakirche zu Xanten. Magdalena nimmt dort Balsam aus ihrer wohlriechenden Salbbüchse und legt ihn in die Wunde der rechten Hand, womit der Heiland sie gesegnet hatte.

Diejenigen von Freiburg in der Schweiz, von Luxemburg in der Marienkirche, Grabdenkmal Johann des Blinden, von Simmern (Lux.), von Trier, von Colmar, von Donaueschingen, die sogenannte Verduner Altartafel in Klosterneuburg bei Wien und hundert andere in Deutschland sprechen uns in erhabenen Darstellungen von der weinenden Jungfrau.

In Frankreich waren diese Grablegungen ebenso verbreitet. Paris hatte deren zwei, die eine in der Martinsstraße wurde 1326 errichtet, die zweite aus dem 14. Jahrhundert befindet sich in der Kapuzinerkirche. Gegen 1420 wurde eine andere zu Langres durch Jean Marchand hergestellt.

1443 zu Bourg-en-Bresse, 1453 zu Tonnerre-Andere. Ebenso schöne befinden sich zu Souvigny (Allier), zu Joigny (Yonne), zu Verneuil (Eure), zu Saint-Germain (Oise), zu Agney (Oise), zu Saint-Nizier de Troyes, zu Saint-Phal (Aube), zu Salers (Cantal), zu Carennee (Lot), zu Ambroise (Indre u. Loire), zu Saint Valery (Somme), zu Villers-Bocage (Somme), zu Montdidier (Somme), zu Semiux (Cote d'or), zu Poissy (Seine u. Oise), zu Chaourée (Aube), zu Rospordeu (Finistère), zu Bessey lez Citeaux (Cote d'or), zu Pont-à-Mousson, zu Chatillon sur Seine, zu Arles usw. usw.

Die schönsten aber sind diejenigen von Quimperlé und in der berühmten Benediktinerabtei zu Solesmes (Sarthe). (Emile Male, L'art religieux de la fin du moyen age, Paris, Libr. Armand Colin S. 135-140.)

In all diesen Grabdenkmälern ist der Leidensweg Mariä der Leidenstragik Christi angepaßt und mit erhabener Würde, aber tief empfundenem Mitleiden durch Tränen und Trauer ausgedrückt. Neben ihr stehen die weinenden Frauen und besonders, wie in Solesmes, die weinende Magdalena.

Die Kunst hat noch andere weinende Madonnen geschaffen, besonders in den vielen Stationen, welche jetzt in allen Kirchen vorhanden sind. Eine besondere Produktion verdient aber noch erwähnt zu werden. Es ist die weinende Schmerzensmutter zu den Füßen des toten Sohnes im Schoß des himmlischen Vaters. Diese Darstellung finden wir in einer Miniatur der Bibliotheque nationale in Paris (fo. 135) Nr. 9471 und im Louvre-Museum, ferner in der Kirche St. Pantaleon zu Troyes, zu Barbery-Saint-Sulpice, und in einem Manuskript zu Gotha (Revue Archeol. 1906.) und will einerseits die letzten Worte des Heilandes am Kreuze und anderseits die sühnende Miterlöserin verherrlichen.

Blutungen und wunderbare Erscheinungen an Marienbildern.

Das römische Martyrologium berichtet, am 9. November habe ein von den Juden gekreuzigtes Bild des Erlösers ein großes Quantum Blut vergossen. Verletzte Bilder des Erlösers, welche bluteten, fehlten auch nicht in Deutschland. In Mainz besteht ein ähnliches Kreuz in der Feldkapelle, der jetzigen Liebfrauenkirche.

Nach Scherer hatte der Missetäter auch das dortige Bild der Gottesmutter unter dem Kreuze verwundet, worauf es gleicherweise geblutet haben soll.

In der Gegend von Würzburg, etwa vier Stunden von der Stadt entfernt, befand sich an einer Buche ein schönes Bild der Gottesmutter. Mehrere Juden, welche den dortigen Marienkult nicht leiden konnten, verstümmelten in ihrem Haß das Bild. Aber siehe, zu ihrem größten Schrecken bemerkten auf einmal die Missetäter, daß Blut aus dem verwundeten Holze floß. Die Nachricht verbreitete sich sehr rasch und das Volk, das herbeieilte, um Maria Abbitte zu leisten, errichtete dort eine Sühnekapelle, wohin das Gnadenbild recht viele Pilger anzog. Der Ort selbst wurde mit der Zeit in Erinnerung an die Begebenheit Mariabuchen genannt.

In Wien kam ein ähnliches Wunder vor zur Zeit der Türkenbelagerung der Stadt im Jahre 1683. Zu Groißenbrunn bei Melk befindet sich ein ähnlich wunderbares Gemälde, worin Maria auf der Weltkugel stehend das Jesuskind trägt. Dieses Bild wurde von einer haßerfüllten Frau mit einer Axt stark beschädigt. Aber allsogleich zeigte sich an der betreffenden Stelle ein blutroter Streifen. Erschüttert durch diese Marienmahnung nahm die Frau ein Linnen und versuchte, das Blutzeichen zu entfernen, aber je mehr sie sich bemühte, es abzuwaschen, desto frischer und blutiger das Malzeichen erschien.

Ähnlich erging es den Bilderstürmern am Ende des 15. Jahrhunderts, da sie ein Marienbild aus Lindenholz zu Grünberg zu zerhacken und zu verbrennen suchten. Gott wirkte sogar ein Wunder, denn die Frevler wurden gelähmt. (Gumppenberg, Atlas Marianus, Nr. 251. -- Scherer a.O. III. 90)

Unweit von Utrecht, zu Amerongen, befindet sich ein sehr verehrtes Vesperbild, das im 16. Jahrhundert von ketzerischen Soldaten verletzt wurde. Auch dieses Bild soll viel Blut vergossen haben. (Theolog. Quartalsch. XLVI Linz 1893, XLVII, 1894 XLI (1888))

Das Standbild der Gottesmutter zu Neukirchen soll von einem Böhmen und dasjenige von Broneburg in Flandern von einem englischen Söldner, aus dem Heere Karl V. verwundet worden sein und dabei geblutet haben.

Eines der auffallendsten Beispiele von Marienbildblutungen ist dasjenige von Airon im Hennegau (Scherer a.O. III, 93.), das auf die bösartigste Weise verletzt und verstümmelt wurde und sehr viel Blut vergossen haben soll.

Cambron besitzt jedoch eines der ältesten Marienbilder, von denen erzählt wird, sie seien böswillig beschädigt und blutig geworden. (La Belgique à Marie, Fasc. 4 -- Bellevald, Ed. Buxelles.)

Am 26. April 1322 kam ein heuchlerischerweise zum Christentum bekehrter Jude zur Abtei von Cambron, wo die Ordensleute ihm in entgegenkommender Weise Nahrung und Quartier verschafften. Eines Tages bemerkte er im Fremdenhause ein Ölgemälde, welches die Anbetung des Heilandes durch die heiligen Dreikönige darstellte. Auf der rechten Seite saß, mit einer Krone geschmückt und mit dem Jesuskind auf dem Schoß, die liebe Gnadenmutter. Der Heuchler konnte dieses Bild, das ihm allerlei innere Vorwürfe machte, nicht sehen, ohne in Wut zu geraten und dasselbe zu verfluchen. Er ging noch weiter. Eines Tages wurde er von teuflischer Wut erfaßt. Er nahm eine Lanze und durchstach das Bild an fünf verschiedenen Stellen. Dreimal verwundete er das Gesicht und zweimal den Hals der hehren Jungfrau. Aber zum größten Schrecken des Übeltäters fingen plötzlich sämtliche fünf Wunden an zu bluten. Im Augenblicke dieser wunderbaren Begebenheit fing der verstockte Sünder an, laut zu fluchen. Ein gewisser Schreiner Joh. Mandurier, welcher in der Abtei arbeitete, vernahm das auffällige Geräusch, eilte herbei und war im Begriff, dem Frevler mit seiner Axt eine wohlverdiente Strafe zu verabreichen, als ein Ordensbruder, Matthias de Lothes, der des Weges kam, ihn daran hinderte. Der Missetäter wurde jedoch im Jahre 1326 gerichtlich verfolgt und bestraft.

Seither wird dieses Bild mit den fünf Wunden sehr verehrt. Alljährlich eilen viele Pilgergruppen dorthin, um der blutenden Madonna ihre kindliche Liebe zu bekunden.

Der Abt Yve de Lessine, welcher zur Zeit des Wunders lebte, baute etwas später eine schöne Kapelle zu Ehren der wundertätigen Mutter Gottes.

Ein Buch, das im Jahre 1639 zu Mons veröffentlicht wurde, zählt an die sechzig Wunder auf, die an der Gnadenstätte geschehen sind. Im Jahre 1651 wurde dort eine Erzbruderschaft zu Ehren der blutenden Madonna errichtet und Papst Innozenz X. approbierte den dortigen Marienkult.

Kaiser Maximilian, König von Frankreich, und viele Würdenträger pilgerten dorthin, um sich den Marienschutz zu erflehen. Leider wurde die Gnadenkapelle mit dem Gnadenbild zur Zeit der französischen Revolution durch Frevler zerstört. Nur die Statue, welche zur Zeit der Pilgerfahrten am dritten Sonntag nach Ostern prozessionsweise herumgetragen wurde, besteht noch und wird noch immer reichlich verehrt.

Nach einer uralten Tradition, welche von Juste Lipse rapportiert wird, hat auch die Marienstatue von U.L. Frau von Sichem bei Löwen (Souraux) in Belgien blutige Schweißtropfen und Tränen vergossen. Dieses geschah im Jahre 1305 in Gegenwart von verschiedenen Personen. Seither wird dieses Gnadenbild in der ganzen Gegend verehrt und viele eilen dorthin, um ihre Anliegen der Mutter Gottes zu empfehlen. (De Smet, Culte de la T.S. V., Bruges 1861, S. 54)

In Frankreich besteht eine Liebfrauenstatue zu Bourbourg, welche im Jahre 1383 reichlich blutete in dem Augenblick, als ein Ungläubiger sie verletzte. Der Frevler wurde schrecklich bestraft, da er sogleich tot zu Boden sank.

Eine ähnliche Gnadenstatue befindet sich in der früheren Abteikirche "Saint Martin des Champs" zu Paris. (Jacques Herisson, Etudes 5. Juli 1934.) Dieses Gnadenbild ist eine sitzende Mutter Gottes, welche das Jesuskind auf ihrem Schoße hält. Sie ist aus Stein, hat eine Höhe von 66 Zentimeter und war früher, im 15. Jahrhundert, an einer Ecke der Bärenstraße (rue aux ours) aufgestellt. Ein betrunkener Schweizer, der beim Spielen viel Geld verloren hatte, verletzte sie eines Tages mit einem Messer an der Brust. Sogleich floß in Strömen hellrotes Blut aus der Wunde und befeuchtete den ganzen Boden rund herum. Kaum war dies geschehen, sammelte sich das betende Volk um das wunderbare Bild. Die blutbefleckten Steine und die blutende Statue wurden in feierlicher Prozession ins nahe Benediktinerkloster getragen, wo sie mit besonderm Kult verehrt wurden. Jedes Jahr am 3. Januar ging eine Sühneprozession durch die Stadt, um der blutenden Mutter Gottes zu huldigen und Abbitte zu leisten für diese Freveltat an einem Marienbild.

Es gibt jedoch auch andere Bilder, welche nicht nur bluteten, sondern auch Schweiß vergossen. Ein solches Wandgemälde befindet sich bei Bingen in der Kirche des Rupertsberges. Als Söldner dasselbe im Jahre 1302 berauben und Maria, die schöne, mit vier Kristallen und Edelsteinen geschmückte Krone stehlen wollten, fing das Bild an, Schweiß und Blut zu vergießen. (Trithemius Chron. spont. Francforti 1501, Summa Mariana XII. 297.)

Der im Jahre 1290 geschriebene Bericht über die Wunder U.L. Frau von Straßburg meldet, aus dem dortigen Marienbild sei vor den Augen vieler Zeugen reichlicher Schweiß geflossen, der in Tüchern aufgefangen und in kristallene Gefäße ehrfurchtsvoll eingeschlossen wurde. (cf. Monumenta Germanicae 17, 114.)

Huy-la Sarte in Belgien besitzt eine berühmte Pilgerstätte zu Ehren der Schmerzensmutter. Es befinden sich dort sieben Kapellen, um die Schmerzensgeheimnisse zu verherrlichen. In einer dieser Kapellen befindet sich das Bild U.L. Frau de la Sarte, welches im Jahre 1656, da eine arme Kranke von Huy, Anne Naudrin mit Namen, in einer schweren Krankheit gelobt hatte, sechsmal dorthin zu pilgern, bei ihrer vierten Pilgerfahrt plötzlich sah, wie das Gnadenbild die Farbe des Gesichtes wechselte und wie dasselbe sich mit großen Schweißtropfen bedeckte. Das Wunder dauerte schon eine Viertelstunde und immer flossen noch die Schweißtropfen herunter. Da die Beterin an dem Vorgang zweifelte, begab sie sich ganz in die Nähe des Bildes und dort konnte sie das Wunderbare unzweifelhaft feststellen. Um sich noch mehr davon zu überzeugen, näherte sie ihr Taschentuch dem Gesichte der allerseligsten Jungfrau. Und siehe, das Tuch wurde ganz feucht und naß.

Tief erschüttert kniete sie nieder und betete und dankte für das geschaute Wunder. Als sie sich endlich erhob, spürte sie neues Leben in ihren Gliedmaßen, sie war geheilt.

Die ganze Kapelle spricht heute von den vielen Gebetserhörungen, die dort zustandekamen. Marmorne Gedenktafeln, Kronen, Fahnen, Kreuze, Kerzen und Ex-votos sind die besten Beweise aller Art von dem Vertrauen der Pilger in diese Gnadenmutter.

Ein eigener Gebetsverein wurde dort im Jahre 1638 zu Ehren der Schmerzensmutter gegründet und 1660 von Papst Alexander VIII. bestätigt.

Es gibt auch noch Gnadenbilder, welche ihre Verehrer freundlich angelächelt, ihnen Trost gespendet oder Aufträge erteilt haben, z.B. das 1491 geweihte Bild der schmerzhaften Mutter zu Dieburg bei Main, das Gnadenbild zu Afflighem und dasjenige von Schiedam.

In der Herzogspitalkirche erfolgten allerlei wunderbare Begebenheiten an einer Statue der Schmerzensmutter. In der genannten Kirche befindet sich seit dem Jahre 1651 ein Kruzifix, zu dessen Füßen die schmerzhafte Mutter sitzt. Am 21. Januar 1590 sah die 16jährige Maria Schott, wie das Bild der schmerzhaften Mutter während der Litanei die Augen bald in die Höhe zu ihrem gekreuzigten Sohne, bald auf die Erde nach links und nach rechts zu den Betenden hinbewegte. Dies ereignete sich mehrere Tage hindurch und wurde von vielen geistlichen und weltlichen Personen gesehen. Das Wunder wurde mit aller Genauigkeit von dem erzbischöflichen Ordinariate untersucht und von allen Augenzeugen einmütig bestätigt. Fünf aufeinanderfolgende Wunder, die ebenfalls untersucht und als unzweifelhaft festgestellt wurden, ließen keinen Zweifel mehr übrig, daß genanntes Bild ein Gnadenbild sei und daß seine Verehrung Gott und seiner jungfräulichen Mutter angenehm sei.

Ein Bild U.L. Frau von "La Treille" zu Douai soll verschiedene Handbewegungen in Gegenwart von Kindern gemacht haben, um diselben gegen ihr unpassendes Spielen zu warnen. Als ewiges Andenken an diese Begebenheit wurde daselbst im Jahre 1532 eine Kapelle errichtet.

Unweit von Brüssel, zu Hoolaert, befindet sich eine Kapelle zu Ehren U.L. Frau vom "Wohlgeruche".

Eine alte Handschrift, welche im Kloster "Rouge-Claitu" aufbewahrt wird, beschreibt folgendermaßen den Ursprung dieser Pilgerfahrt: Ein frommer Mann hatte sich vorgenommen, im Walde von Soignes eine Mutter-Gottes-Statue an einem Baum zu befestigen, damit Maria dort verehrt werde. Während er diese Arbeit mit einigen Kameraden vollzog, vernahmen sie plötzlich einen außergewöhnlichen Engelsgesang und verspürten lange hindurch einen äußerst angenehmen Wunderduft. Dieser Geruch soll sich sehr oft erneuert haben und sämtliche Pflanzen, besonders das Farnkraut, sollen noch heute einen eigenartigen Geruch besitzen. Im Jahre 1477 wurde dort, durch Maximilian von Brabant, eine schöne Gandenkapelle erbaut und viele Pilgergruppen eilen beständig dorthin, um Maria anzurufen. (A.D.R. Vierges miraculeuses, S. 175.)

Die sprechende Pieta von Eberhardsklausen

Unter den sprechenden Bildern, welche in der Kirche verehrt werden, gibt es verschiedene, welche eine besondere Geschichte haben.

Viele kennen die Geschichte der "Antiphon von Puy" d.h. des Salve Regina, wie der hl. Bernhard wunderbarerweise dazukam, dieser Antiphon die Worte "o milde, o gütige, o süße Jungfrau Maria" beizufügen.

Der große Abt von Citeaux soll jedoch im Dome zu Speyer auch ein Marienbild gegrüßt, dieses aber den Gruß beantwortet haben: "Salve Bernarde!" In gleicher Weise soll ein Marienbild im Kloster Afflighem seinen Gruß erwidert und ihm befohlen haben, seine Schriften zu sammeln und zu verbreiten.

Eine glaubwürdige Tradition überliefert uns, das Bild U.L. Frau, "die Königin" habe dem hl. Gregorius dem Großen, im Jahre 593 zugelächelt und versprochen, daß die damals wütenden Krankheiten wie Pest und Cholera bald aufhören würden.

Das Bild U.L. Frau von Kiovic in Polen sprach im Jahre 1255 zum hl. Hyazinth und befahl ihm, die wundertätige Statue fortzubringen, damit sie nicht in die Hände der Stadtbelagerer falle.

Das Bild U.L. Frau von Toul soll im Jahre 1284 zu einer frommen Frau aus Lothringen gesprochen und ihr eine Verschwörung gegen die Autorität geoffenbart haben usw. (De Smet, Manuel du Culte de M. Bruges, 1851 - S. 55.)

Neben diesen sprechenden Madonnenbildern erwähnt man im Kloster von Magerau zu Freiburg (Schweiz) noch ein anderes Marienbild, das des Nachts einen Dieb in seinem Vorhaben, das Kloster zu bestehlen und zu plündern, gestört haben soll.

Das gerichtliche Verfahren und die Aussage des Diebes sind in den dortigen Staatsarchiven aufbewahrt.

Sie erzählen, wie der Dieb die Klostermauer übersteigen wollte, wie die Mutter Gottes ihn anredete, wie er dabei unglücklich zu Boden fiel und nachträglich, da man ihn entdeckte, seine Schuld bekannte.

Eine andere, noch viel interessantere Begebenheit kam in Eberhardsklausen vor.

Der Wallfahrtsort Eberhardsklausen liegt an der Mosel in der Trierergegend. Dort befindet sich in der Wallfahrtskirche das Gnadenbild von Klausen. Die schmerzhafte Mutter sitzt in der Mitte und hält den vom Kreuze herabgenommenen Leichnam ihres geliebten Sohnes. Von Schmerz überwältigt, breitet der Liebesjünger Johannes seine Arme aus. Zur Rechten kniet die Büßerin Maria Magdalena und umfaßt den Arm des Herrn.

Im Antlitz der Schmerzensmutter ist liebliche Majestät sowie schmerzvolle Holdseligkeit in ergreifender Weise zum Ausdruck gekommen. Der Anblick dieses Bildes hat manchen Sünder zu Tränen gerührt und ihm keine Ruhe gelassen, bis er sein sündiges Leben zu bessern versprach.

Vor diesem Bilde hat auch der erste Wallfahrer von Klausen, Eberhard mit Namen, oft und viel gebetet. Stunden des Tages und Stunden der Nacht kam er seine himmlische Mutter besuchen. Und er freute sich, wenn er vor ihrem Bilde ein Licht anzünden durfte, das die Finsternis der Nacht und das Dunkel seiner Seele erleuchtete.

Eberhard war geboren 1393 unweit Sisport, nahe bei Klausen an der Mosel. Er war ein armer Taglöhner, der seinen Unterhalt durch schwere Arbeiten im Felde, im Garten und im Weinberge verdiente. Seine Frömmigkeit trieb ihn an, an der Waldstelle, wo er fast täglich vorbeikam, ein Heiligenbild aufzustellen. Kein anderes hatte sein Herz so ergriffen, als eine Pietagruppe aus Holz, die er an einem Baumstamme befestigte. Es ist dies das kleinere Muttergottesbild oben im Hauptaltar.

Der liebe Gott war aber noch nicht zufrieden. Maria erschien ihm zu wiederholten Malen des Nachts im Schlafe und befahl ihm, ihr ein Gebetshaus zu bauen. Trotz allergrößter Armut suchte er nun mit festem Vertrauen auf Mariens Fürbitte, den Wunsch des Himmels auszuführen. Seine beste Hilfe fand er bei den Grafen Wilhelm und Gottfried von Esch, den damaligen Grundbesitzern von Klausen. Von ihnen erhielt er einen Bauplatz und nun begann für ihn eine frohe, arbeitsreiche Zeit.

So oft er einen Stein fand, hob er ihn auf mit den Worten: "Dieser kommt in das Mauerwerk meines Hauses." Er sammelte Steine und Almosen und forderte hilfsbereite Leute auf, dasselbe zu tun. Scharenweise strömten die Arbeiter herbei, um an der Muttergotteskirche zu bauen, und bald stand das kleine Gotteshaus, die erste Klause fertig da.

Eberhard wollte jetzt auch ein anderes Muttergottesbild haben. Ein Bildhauer aus Trier fertigte es aus weißem Sandstein an und es ward anmutig und schön. Dieses Bild stellte Eberhard zur Verehrung auf. Es ist das eigentliche Gnadenbild von Klausen, vor dem die wunderbaren Erhörungen stattfanden. Seit 1442 steht dieses wundertätige Bildnis der schmerzhaften Mutter am Gnadenorte in Klausen und vor ihm knieten Tausende und Tausende Pilger, die ihren Muttertrost mit vielem Flehen herabriefen.

Der Hochaltar der Klausener Kirche ist ein kostbares Meisterstück aus dem Jahre 1500. Er stammt aus der berühmten Antwerpener Kunstschule. Auf der Evangelienseite sieht man die Vorbereitung zur Kreuzigung Christi. Henkersknechte hämmern und bohren am Kreuze des Herrn und freuen sich, daß endlich der verhaßte Nazarener seine langverdiente Strafe erhält. Jesu Mutter und die frommen Frauen schauen tiefbetrübt zu und jeder Hammerschlag tifft auch ihr Herz.

In der Mitte sitzt der Heiland gefesselt und ein Hoherpriester verspottet ihn. Rechts würfeln drei Soldaten um das Gewand Jesu und im Hintergrunde werden die beiden Schächer gebunden abgeführt.

Das mittlere Feld stellt die Kreuzigung Jesu dar. Hoch über der Erde ragen die Kreuze, sanft und wohltuend blickt des Heilands Antlitz im Tode. Sein Herz wird eben geöffnet und der Hauptmann zur Rechten erhebt seine Hand und spricht: "Dieser war Gottes Sohn!" Um die Bekehrung der beiden Schächer bemühen sich zwei Engel. Über ihrem Haupte trägt ein Engel die Seele des guten und der Teufel die Seele des bösen Schächers fort.

Vor dem Kreuz kniet weinend Maria Magdalena, Hände und Augen zum Gekreuzigten erhebend, während die Mutter Jesu in herzzerreißender Trauer zusammenbricht und die frommen Frauen weinen mit ihr. Daneben steht ein Bote des Pilatus, dem ein Henkersknecht den bereits erfolgten Tod Jesu verkündet. Auch ein Narr kommt mit seinem Hündlein herzu, der ein Bild der verstockten Stadt Jerusalem darstellt.

Das Bild auf der Epistelseite zeigt uns die Beweinung des Herrn. Im Schoße der Mutter liegt das blutige Haupt des Herrn, von Johannes gestützt. Frauen und Freunde Jesu vereinigen ihr heiliges Mitleiden mit der meerestiefen Muttertrauer.

Wir lesen nun im Leben Mutter Klaras, von Rektor Barthel, das mit der Druckerlaubnis Sr. Exzellenz Msgr. Jos. Koppes erschienen ist, folgende Begebenheit über das wundertätige Gnadenbild von Eberharsklausen: In einer der schwersten Prüfungszeiten ihres Lebens wurde Mutter Klara eines Tages, ähnlich wie verschiedene andere mystisch Begnadete, unter Zulassung Gottes nach Paris, Berlin und anderen Großstädten befördert, um dort den Teufelskult gewaltigerweise mit anzusehen. Von dort brachte sie der Teufel in ein fremdes Land, um sie in einem dichten Wald mit den schwersten Seelenfoltern zu quälen.

Über das Ende dieses Kampfes berichtet Mutter Klara folgendes: "Nach einigen Augenblicken erschien mir die schmerzhafte Mutter Maria, umgeben von vielen heiligen Engeln. Sie näherte sich mir und überreichte mir ein kostbares Gefäß, das einen sehr stärkenden und wohlriechenden Trank enthielt, mit dem Auftrage, denselben zu trinken, worauf ich mich außerordentlich gestärkt und gekräftigt fühlte. Darauf faßte die mitleidigste Mutter mich bei der Hand und sagte: "Komm, mein Kind, ich will dich an eine meiner Gnadenstätten führen und dich allda mit großen Gnaden austatten."

Als die gute Mutter diese Worte zu mir gesprochen hatte, setzte sich der himmlische Zug mit mir in Bewegung und schwebte in ganz majestätischer Weise eine weite Strecke mit mir fort über Städte, Dörfer, Land und Meer hinweg und kam endlich zu einem Dörfchen, das auf einem Berge lag. Als der himmlische Zug vor der verschlossenen Kirche anlangte, war es bereits Nacht. Doch die Türe der Kirche öffnete sich von selbst, worauf der himmlische Zug mit mir in dieselbe einkehrte. Er führte mich in der Nähe des Einganges zur linken Seite in eine Kapelle. In derselben ist ein schöner Altar, welcher der 'Schmerzhaften Mutter Gottes' geweiht ist. Auf demselben befindet sich eine rührende Statue der 'Schmerzhaften Mutter Jesu'. Vor diesem Altare hieß die himmlische Mutter mich niederknien und sagte: 'Hier ist der Ort, den ich für dich bestimmt habe, dir meine Gnaden als 'Schmerzhafte Mutter' auszuteilen. Ich habe meinen göttlichen Sohn ganz eigens darum gebeten, dich an diesen meinen Gnadenort zu führen, um dich hier an meinem durchbohrten Herzen einige Stunden von deinen schweren Bedrängnissen ausruhen zu lassen. In dieser Zeit sollst du den Trost und die Süßigkeiten meines schmerzenreichen Herzens in reichlicher Fülle verkosten. Daß ich dir diese Gnadenerweisungen gerade an diesem Gnadenort erweisen will, dazu habe ich meine ganz besonderen Gründe, die du später erfahren sollst.' Darauf erteilte ihr die Mutter Gottes verschiedene Aufträge und Gebetsmeinungen für die Kirche und ihr eigenes Benehmen." "Und", fügt Mutter Klara bei, "ehe die schmerzhafte Mutter Jesu mich verließ, sagte sie zu mir, wenn ich hier vor ihrem Gnadenbilde einige Zeit gebetet hätte, dann sollte ich die Kirche verlassen und in das erste Haus, das sich neben der linken Seite der Kirche befände, um Herberge fragen gehen, worauf sie augenblicklich mit ihrer Umgebung verschwand..."

Des andern Tages empfing die Begnadete auf wunderbare Weise die heilige Kommunion, denn in Eberhartsklausen war es damals Sitte, nur nach der heiligen Beichte zum Tisch des Herrn zu gehen.

Mutter Klara erzählt diese Begebenheit folgendermaßen: "In meiner Verlegenheit (wegen der heiligen Kommunion, die sie auf Befehl des Beichtvaters jeden Tag empfangen mußte), wußte ich kein besseres Mittel, als mich ganz vertrauensvoll an die schmerzhafte Mutter Jesu zu wenden. Ich begab mich zum Gnadenbilde und klagte ihr meine Not. Als ich eine Weile gebetet hatte, sah ich, daß die Statue der Schmerzhaften Mutter Gottes auf einmal Leben erhielt und zu mir sagte, ich solle ganz ruhig und unbesorgt sein, denn über eine Weile würde die heilige Kommunion an einige Personen, die beim Pfarrer gebeichtet hätten, ausgeteilt werden, diese Gelegenheit solle ich benützen, um die heilige Kommunion zu empfangen."

Und so geschah es auch kurze Zeit hernach. "Und (fügt sie bei) gleich darauf führte mich mein vielgeliebter Erlöser tief in das Geheimnis seiner heiligsten Menschwerdung ein und ließ mich in hohem Grade die Leiden erkennen, die er in diesen neun Monaten zu erdulden hatte. Worauf mein liebenswürdigster Erlöser mir mitteilte, daß er mich bis zum Vorabend von Weihnachten, ähnlich wie er, in einen gar finsteren Kerker einschließen werde. In diesem stockfinsteren Seelenkerer würde mir jeder direkte Lichtstrahl des Himmels vorenthalten werden... Das Licht des Seelenführers müsse mir genügen... An dieses Licht sollte ich mich halten. Darauf trug der gute Heiland mir auf, hier an diesem Gnadenorte recht viel zu beten für die verfolgte Kirche, für die geistigen Interessen verschiedener Länder und für alle, die der liebe Gott zur Förderung seines Doppelwerkes auserwählt hätte."

Am 7. Dezember schrieb sie folgendes: "Als ich eine Weile oben in der Kirche zugebracht hatte, fühlte ich mich wieder von einem ganz außerordentlichen Zuge bewegt, von neuem zum Gnadenbild der schmerzhaften Mutter zurückzukehren, wo ich neue große Gnaden erhielt. Und von neuem forderte sie mich auf, viel zu beten, besonders für das mir anvertraute Werk (Gründung eines Dominikanerklosters) und für die Interssen des Jesuitenordens.

Am 8. Dezember erschien mir die Unbefleckte Emfängnis und teilte mir mit, daß ich wegen meiner Abreise unbesorgt sein könne... und daß meine Rückkehr an diesem schönen Tage geschehen würde.

Nach dem Verschwinden der hehren Jungfrau Maria war ich dem Geiste nach entrückt und in den schönen Himmel vor den Thron der unbefleckten Gottesmutter versetzt, wo mein liebenswürdigster Erlöser mich in das Geheimnis der Unbefleckten Empfängnis seiner reinsten und heilgsten Mutter einweihte und mich große Wonnen und Glückseligkeiten verkosten ließ... Von neuem forderte er mich auf, viel zu beten für die verfolgte Kirche, für den Klerus und für die geistigen Bedürfnisse meines Vaterlandes.

Die weinenden Madonnen in Rom.

Verschiedene Marienbücher sprechen uns von weinenden Madonnenbildern. Solche befinden sich in den meisten Ländern. In der "Summa Mariana" von Gumppenberg wird berichtet von einem Marienbild, das im 16. Jahrhundert zu Brüssel (Summa Mariana III, 1390) wegen der anwachsenden Ketzereien Tränen vergoß. Während des dreißigjährigen Krieges weinten solche zu Keuzingen (Altas Marianus No. 803, 935.) und Emmerich. Über weinende Madonnen des Wiener Domes im Jahre 1396 und zu Ober-Mallebarn 1831 findet man allerlei Dokumente in der Theologischen Linzer Quartalschrift (No. XLVI, Linz 1893, 53 und XLVII 1894, 619.) Andere außerdeutsche weinende Marienbilder werden erwähnt bei Scherer und Delehaye. (Les legendes 38.)

In Rom sind diese wunderbaren Ereignisse an Bildnissen der Mutter Gottes äußerst zahlreich gewesen. Schon im zwölften Jahrhundert wird erzählt, in der Peteskriche zu Rom habe ein Marienbild geweint, als Kardinal Hildebrand, der später als Gregorius VII. die Kirche so glorreich regierte, vor ihm betete.

Aber eines der schönsten Vorkommnisse dieser Art fand im 18. Jahrhundert statt.

Das "Metzer Katholische Volksblatt" erzählt dasselbe folgendermaßen im Jahre 1933:

Wer sich in Rom vom "Platz der hl. Apostel" zur Kapelle des hl. Marcellinus begibt, bemerkt rechterhand eine kleine Kirche, in deren Hintergrund er ein Marienbild erblickt, das von brennenden Kerzen umgeben ist. Ein Gitter, welches tagsüber geschlossen ist, wird abends zur Zeit des Aveläutens geöffnet. Dann strömen die Gläubigen herbei, um an dem Rosenkranzbeten teilzunehmen.

Wie in Rom fast jeder Stein, so hat auch diese Madonna ihre Geschichte. Zu Ende des Jahres 1600 wohnte in dem Palaste Balestra eine fromem Römerin, Alessandra Melina Savorelli mit Namen, welche bei einer Verwandten die außergewöhnliche Verehrung für ein Marienbild bewunderte. Sie beauftragte darob einen berühmten Maler, das Bild zu kopieren, und ließ es dann unter einem Bogen anbringen, der ein enges Gräßchen zwischen ihrem Palast und einigen Häusern überwölbte. Auch ließ die fromme Edelfrau eine Kapelle unter dem Bogen errichten und stiftete die heiligen Gefäße und Gewänder für den 8. September, Fest der Geburt der allerseligsten Jungfrau.

Im Jahre 1751 schmückten zwei römische Künstler die Kapelle mit kostbarem Stuckwerk. Das Marienbild gewann mit den Jahren immer mehr an Verehrung, und im Jahre 1758 machte ein Nachkomme der frommen Edelfrau eine Stiftung für die Ausgaben des Kultus. Und so vergingen 35 Jahre.

Es war am 12. Januar des Jahrs 1793, als vom Platz Colonna heftiges Schreien herübertrönte, denn der Franzose La Frotte hatte in diesem Augenblick Hugo de Basville ermordet. Es war gleichsam ein Aufakt zur Invasion der französischen Truppen. Drei Jahre später marschierten auch wirklich die Jakobiner in das päpstliche Gebiet ein. Die Gläubigen widersetzten sich mit Mut, aber vergebens. Jede Hütte, jedes Dorf widersand den Horden, welche die Heiligenbilder vor dem Baum der Freiheit verbrannten.

Am 9. Juni 1796 ging Antonio Ambrosini an der Madonna unter dem Bogen vorbei, nahm den Hut ab und erhob seinen Blick wie immer in stillem Gebet zu Maria. Plötzlich aber fühlte er sein Blut erstarren; denn das Bild bewegte die Augen! Während Antonio niederkniete, eilten viele Leute herbei. -- Ein Schauer ging durch die Menge, und alle riefen: "Sie hat schon wieder die Augen bewegt!"

Eine arme Witwe namens Maronti hörte von dem Ereignis und trug auf den Armen ihre 17jährige Tochter herbei, die von Geburt aus ein armseliger Krüppel war. Sofort erhob sich das Mädchen. Während das wundertätige Bild die Augen bewegte, opferte die Mutter die Kürcken, die man noch heute in der Kapelle sieht.

Ein allegemeiner Ruf erscholl: "Es lebe Maria!" -- "Es lebe Maria!"

In jenen traurigen Tagen begannen viele Heiligenbilder in den Kirchen und in den Straßen die Augen zu öffnen, die Pupillen zu bewegen, und in einigen Fällen sogar zu weinen. Es waren Wunder, die durch ihre Eigenart, durch ihr häufiges Vorkommen und die Dauer der Erscheinung eine große Bestürzung hervorriefen.

Die Heiligenbilder in Rom, bei denen die Wunder durch die Prozesse bestätigt wurden, sind außer der Madonna unter dem Bogen, die schmerzhafte Mutter Gottes in der Kirche der Väter vom guten Tod, in der Straße delle Muratte; die schmerzhafte Mutter in St. Andreas della Valle; die Unbefleckte Mutter in St. Nicolen de Lorenzi; die schmerzhafte Mutter Gottes in der Chiesa Nuova; das Kreuz im Hause Pucci; die Unbefleckte Empfängnis in San Silvestro in Capite, das Bild der allerseligsten Jungfrau in der Kirche vom Abendmahl und noch viele andere.

Das italiensiche Volk wurde von marianischem Eifer entflammt. Viele Städte empörten sich gegen das Treiben der französischen Jakobiner mit dem Ruf: "Evviva Maria!"

Dann kam der Friede. Rom kehrte wieder unter die Obhut des Heiligen Vaters zurück. Nun konnten die Römer sich in den stillen Straßen vor den geliebten und verehrten Bildern ohne viel Bitterkeit des vergangenen Sturms erinnern.

Die weinende Jungfrau von "La Salette".

La Salette ist ein kleineres Dorf im Departement des Dauphiné und gehört zum Bistum Grenoble. Die Erscheinungsstätte liegt 1800 m hoch auf der Alpenwiese "Sous les Baisses".

Die allerseligste Jungfrau hat sich zu La Salette zwei armen Hirtenkindern gezeigt, namens Maximin Giraud und Mélanie Matthieu. Beide stammten aus dem Marktflecken Corps und befanden sich damals im Dienste zu Ablandin, einem Weiler der Pfarrei La Salette.

Maximin war 11 Jahre alt und weilte zur Aushilfe beim Pächter Peter Selme. Melanie war 13 Jahre alt und war schon seit mehreren Jahen im Dienste, zuletzt bei Johann Baptist Pra. Die beiden Kinder kannten sich gar nicht, obschon sie aus derselben Ortschaft waren, und hatte sich am Tage vor der Erscheinung zum ersten Male gesehen. Sie waren geistig sehr vernachlässigt und sprachen nur ihren Ortsdialekt, ein Gemisch von italienischer und spanischer Sprache. In religiöser Hinsicht konnten sie nur das "Vaterunser" und das "Gegrüßet seist du, Maria" beten.

Es war am 19. September 1846, am Quatembersamstag und am Vorabend vom Feste der "Sieben Schmerzen Mariä", als sie gemeinsam ihre Kühe auf dem Berge "Sous les Baisses" hüteten. Beim Aveläuten setzten sie sich in der Nähe einer ausgetrockneten Quelle nieder, um ihr Mittagsbrot zu verzehren, und legten sich dann zum Schlafen hin, denn es war ein sonnenklarer, warmer Herbsttag.

Bei ihrem Erwachen hielten sie Ausschau nach ihren Herden und wollten gerade die Anhöhe verlassen, als Melanie plötzlich an ihrer Ruhestätte eine leuchtende Kugel erblickte. Alsogleich machte sie Maximin auf das merkwürdige Ding aufmerksam, und beide schauten ganz verwundert auf die Stelle hin. Da öffenet sich die Kugel und in der Mitte erscheint eine "Dame" (nach dem Ausdruck der Kinder). Die Erscheinung gleicht einer tieftrauernden Person, die auf einem Steine sitzt, die Ellbogen auf die Knie stützt und weinend mit beiden Händen ihr Gesicht bedeckt.

Die Kinder blieben wie von Schrecken gelähmt stehen und Melanie ließ vor Angst ihren Stock fallen. Da läßt die Erscheiung ihre Hände sinken und verbirgt sie in ihren weiten Ärmeln. Nachdem sie sich erhoben hat, geht sie auf die Kinder zu mit den Worten: "Kommt her, meine Kinder, fürchtet euch nicht, ich bin hier, um euch eine wichtige Nachricht zu verkünden." Jetzt treten die Kinder ganz nahe an die "Dame" heran und betrachten ihre Schönheit, worüber sie Folgendes berichten: Sie ist von hoher, majestätischer Gestalt. Ihre Gesichtszüge spiegeln Güte, Erhabenheit, aber auch Trauer, und aus ihren Augen perlen Tränen. Ihr Gewand, das helleuchtend und mit goldenen Perlen durchwoben ist, erinnert an die Tracht der dortigen Gebirgsfrauen, und ihre Schürze ist goldenverbrämt. Auf dem Kopfe trägt sie einen Kranz bunter Rosen, der von einem reichen Diadem überragt wird. Brust und Füße sind ebenfalls mit Rosen geschmückt. Über dem weißen auf der Brust gekreuzten Schultertuch trägt sie eine schwere Kette, an einer kleinen Halskette hängt ein Kruzifix mit wunderschönem Christus. An dem Querbalken ist ein Hammer sowie eine halbgeöffnete Zange befestigt.

Hierauf sprach die "Dame" zu den Kindern: "Wenn mein Volk sich nicht unterwerfen will, so bin ich gezwungen, den Arm meines Sohnes fallen zu lassen. Er ist so schwer, so lastend, daß ich ihn nicht mehr zurückhalten kann. O wie lange leide ich schon für euch! Will ich, daß mein Sohn euch nicht verlasse, so muß ich unaufhörlich zu ihm flehen, und ihr macht euch nichts daraus. So viel ihr auch betet und tut, niemals werdet ihr die Mühen vergelten können, welche ich für euch übernommen habe."

Wie die von Gott gesandten Propheten, so redete alsdann die Mutter Gottes im Namen ihres vielgeliebten Sohnes: "Sechs Tage habe ich euch zum Arbeiten gegeben, den siebenten habe ich mir vorbehalten, und man will mir ihn nicht gönnen. Das gerade macht den Arm meines Sohnes so schwer. Die Fuhrleute können nicht fluchen, ohne den Namen meines Sohnes unehrerbietig auszusprechen. Das sind zwei Dinge, die den Arm meines Sohnes so schwer machen. Wenn die Ernte verdirbt, so geschieht das nur euretwegen. Ich habe es euch im vorigen Jahre an den Kartoffeln gezeigt, aber ihr habt nicht darauf geachtet; im Gegenteil, fandet ihr verdorbene, so fluchtet ihr und mißbrauchtet dazu den Namen meines Sohnes. Die Kartoffeln werden weiterhin faulen, und dieses Jahr zu Weihnachten wird es keine mehr geben."

Da die Kinder kein Französisch verstanden, redete die Dame dieselben in ihrer Muttersprache an: "Ach, meine Kinder, ihr versteht ja nicht französisch, ich will es euch anders sagen", worauf sie ihnen alles in ihrer Ortssprache wiederholte. Dann fuhr sie fort: "Wenn ihr Getreide habt, so säet es nicht; denn das Ungeziefer wird es zerfressen, und was ihr etwa erntet, wird beim Dreschen in Staub zerfallen. Es wird eine große Hungersnot kommen; aber ehe sie noch kommt, werden die Kinder unter sieben Jahren von einem Zittern befallen, und sie werden sterben in den Armen derer, die sie tragen. Die andern werden durch die Hungersnot Buße tun. Die Trauben werden faulen und die Nüsse verderben."

Diese prophetischen Strafankündigungen haben sich im Laufe der Zeit an den meisten Orten erfüllt und sind für viele der Grund ihrer Bekehrung geworden.

Alsdann wendet sich die Erscheinung an Maximin und vertraut ihm ein Geheimnis an, wovon Melanie nichts hört, obschon sie sieht, wie die "Dame" die Lippen bewegt. Und als Melanie ihrerseits auch ein Geheimnis erhält, hört hinwiederum Maximin nichts davon. Diesmal hatte die Erscheinung wieder in französischer Sprache geredet, und die beiden Kinder hatten sich das Anvertraute tief ins Gedächtnis eingeprägt. Fünf Jahre bewahrten sie in großer Verschwiegenheit das mitgeteilte Geheimnis, und nur auf Wunsch des Papstes Pius IX. schrieben sie es nieder, und beide Briefe kamen nach Rom. Aber der Heilige Vater bewahrte seinerseits die beiden Geheimnisse, nur rief er beim Durchlesen der Briefe aus: "Großes Unheil bedroht Frankreich; es ist aber nicht allein schuld, Deutschland Italien, ja ganz Europa ist schuld und verdient Züchtigung."

Nach dieser Mitteilung redete die "Dame" wieder in der Ortssprache zu den Kindern: "Wenn die Menschen sich bekehren, so werden die Felsen sich in Getreidehaufen verwandeln und die Kartoffeln sich geradezu übersät finden.

Die Rede der "Dame" ist so einfach und so erhaben und zugleich vertrauenerweckend. Sie fährt fort: "Verrichtet ihr eure Gebete gut?"

Auf dieVerneinung der Kinder fährt sie mahnend fort: "Ach, meine Kinder, verrichtet euer Gebet gut, am Morgen und am Abend! Wenn ihr keine Zeit habt, so betet wenigstens ein 'Vaterunser' und ein 'Gegrüßt seist du Maria', betet mehr, wenn es euch möglich ist."

"Es gehen nur einige alte Frauen in die Messe, die andern arbeiten jeden Sonntag den ganzen Sommer hindurch. Im Winter, da sie nicht wissen, was sie anfangen sollen, gehen sie zur Messe nur, um über die Religion zu spotten. In der Fastenzeit gehen sie wie die Hunde zur Fleischbank."

Anscheinend sind diese Worte hart, aber wieviele öffentliche Sünden werden heutzutage von den Christen durch Fleischeslust und Sinnlichkeit begangen!

"Habt ihr niemals verdorbenes Getreide gesehen, meine Kinder?" fragt die "schöne Dame" weiter. Und der Knabe antwortete rasch: "Nein, meine Dame, wir haben noch keines gesehen."

"Aber du, mein Kind", sagte sie zu Maximin, "du hast sicher solches schon gesehen in Coin, zusammen mit deinem Vater, zu dem der Eigentümer eines Ackers sagte: "Kommt und sehet, wie mein Korn verdirbt!' Ihr ginget beide hin. Ihr nahmt dann zwei oder drei Ähren in die Hand, und, wie ihr sie riebet, zerfielen sie in Staub. Als ihr dann heimginget und nur mehr eine halbe Stunde von Coin entfernt waret, gab dir dein Vatter ein Stück Brot und sagte: 'Nimm, mein Kind, und iß noch dieses Jahr Brot; denn ich weiß nicht, wer nächstes Jahr noch solches essen wird, wenn das Korn weiter so verdirbt.'"

Nach diesen Worten erinnerte sich der Knabe ganz genau der damaligen Begebenheit. -- Mit welch mütterlicher Zärtlichkeit sorgt die himmlische Mutter für uns! Sie kümmert sich um all unsere Sorgen und Ängste, wir wollen daher vertrauensvoll unsere Bitten zu ihr hinaufsenden; denn es ist noch nie gehört worden, daß jemand umsonst ihre Hilfe angefleht.

Als Unsere Liebe Frau ungefähr eine halbe Stunde mit den Kindern gesprochen hatte, sagte sie zum Schluß: "Wohlan denn, meine Kinder, teilet dies meinem ganzen Volke mit!" Sie wandte sich beim Fortgehen um und wiederholte nochmals: "Wohlan denn, meine Kinder, teilet dies meinem ganzen Volke mit!"

Sie bestieg alsdann die Anhöhe, aber ihre Füße schienen den Boden nicht zu berühren, erzählten die Kinder nachher. Maximin und Melanie folgten ihr auf den Hügel und stellten sich wieder vor sie hin. Nun erhob sich die Erscheinung, blieb eine Zeitlang zwischen Himmel und Erde schweben, indem ihre Augen nach Rom gewandt waren. Dann warf sie einen liebevollen Blick auf die Erde, ihre Tränen hörten auf zu fließen und sie verschwand gegen Himmel.

Als die Erscheinung vorüber war, sagte Melanie: "Das war ganz sicher eine große Heilige!" Worauf Maximin antwortete: "Ach, hätten wir das gewußt, so hätten wir sie gebeten, uns mit in den Himmel zu nehmen." Und voller Freude plauderten die beiden Kinder noch lange über das, was sie gesehen und gehört hatten.

Nachdem die Kinder, der Aufforderung der Mutter Gottes zufolge, den Leuten aus dem Dorfe erzählt, was sie geesehen und gehört hatten, erkannten alle sofort, auch der gute Pfarrer des Ortes, daß es die Himmelskönigin gewesen, die den Kindern erschienen, um die sündige Welt zu Gott zu bekehren. Bald nachher verbreitete sich die Kunde von der Erscheinung über Frankreich, ja über ganz Europa bis an die Grenzen der Welt. Als dann die angekündigten Drohungen sich zu erfüllen begannen, zogen große Pilgerscharen aus allen Teilen der Erde zum Erscheinungsberge, zum "Tabor der allerseligsten Jungfrau", um dort Trost und Linderung zu suchen. Die Kinder erzählten allen Fragestellern in aller Demut und fester Überzeugung, was sie gesehen und gehört, und alle Drohungen mit Gefängnis und Tod, sowie große Geldversprechungen konnten sie nicht zum Schweigen bringen. Gott belohnte daher die Wahrhaftigkeit ihrer Aussagungen durch viele Wunder. Das Wasser der bis dahin versiegten Quelle, in derem ausgetrockneten Bette die Mutter Gottes stand, fließt seither reichlich und hat schon zahllose wunderbare Wirkungen hervorgebracht.

Sind die prophetischen Androhungen auch in Erfüllung gegangen? Was die allerseligste Jungfrau bezüglich der Kartoffeln mitteilte, traf bereits im Jahre 1846 ein, und die angekündigte Getreidekrankheit richtete 1851 und 1852 verheerenden Schaden an. In Frankreich allein starben von 1854 bis 1856 wegen Knappheit an Lebensmitteln 250.000 Menschen, und so war es auch in den übrigen Ländern.

Auch die angesagte Kinderkrankheit sowie die Cholera rafften unzählige Kinder weg. -- Die Walnußernte war im Jahre 1851 vollständig ausgeblieben, und im Jahre 1857 zerstörte der Mehltau die Weinberge.

Die Glaubwürdigkeit der Erscheinungen von La Salette kann nicht mehr bestritten werden. Und Bischof Philibert von Grenoble schreibt darüber in einem Hritenbirefe: "daß die Erscheinung der allerseligsten Jungfrau auf La Salette am 19. September 1846 alle Merkmale für sich hat, und daß die Gläubigen berechtigt sind, sie als wahre, unzweifelhafte Tatsache hinzunehmen." Von unschätzbarem Werte ist ferner, daß von Pius IX. die Päpste bis zu Pius XI. die Erscheinung von La Salette anerkannt haben. Der Heilige Stuhl überhäufte die Erzbruderschaft, die Basilika, die Pilger und die Missionäre von la Salette mit zahlreichen Gunstbezeugungen.

Auf dem Erscheinungsberg legte der Bischof von Grenoble im Mai 1852 den Grundstein zu einer Basilika, neben welcher sich ein Kloster sowie ein Pilgerhaus befinden. Am 21. August 1879, am Tage nach der feierlichen Einweihung der Basilika, wurde, im Namen des Papstes, U.L. Frau von La Salette durch Se. Eminenz Kardinal Guibert von Paris feierlich gekrönt.

Im Jahre 1852 gründete der Bischof von Grenoble eine Gesellschaft von Priestern, die sich Missionäre von La Salette nennen und die Aufgabe haben, die Lehren, welche die Mutter Gottes den beiden Kindern gegeben, der ganzen Welt zu predigen. Das Kloster der Missionäre steht seit 1903 verwaist, seitdem die Freimaurer die Genossenschaft als "staatsgefährlich" erklärt haben, aber dem Strom der Pilger, die bei der "Weinenden Mutter" Trost und Hilfe in allen geistigen und leiblichen Nöten suchen, kann die Hölle nicht Einhalt gebieten.

Die allerseligste Jungfrau zählt den zwei Kindern die Ursachen ihres Schmerzes und ihrer Tränen auf. Verlassenheit und Trauer liegen in ihren Zügen ausgeprägt, und unter Weinen spricht sie: "Ungehorsam meiner Schutzbefohlenen, Vernachlässigung des Gebetes, Fluchen und Gotteslästerung, Entheiligung des Sonntags, Versäumnis der heiligen Messe, Vergessenheit des Fastengebotes", das sind die Gründe ihrer Tränen. Sie klagt, daß sie den Arm ihres strafenden Sohnes nicht mehr zürckhalten kann, weil die sündige Menschheit zu tief gefallen ist und das Laster nicht aufgeben will.

Nehmen wir unsere Zuflucht zur allerseligsten Jungfrau zur "Weinenden Mutter", und vereinigen wir mit ihren Schmerzen und Tränen unsere Gebete und Bußübungen, damit wir den gerechten Zorn Gottes besänftigen und viele unter der Mitwirkung Mariens, zu Gott zurückführen.

Die Sieben-Schmerzen-Mutter von Chambery und Pontmain.

Maria als Siebenschmerzenmutter wird alljährlich in der Kirche am Freitag vor dem Palmsonntag gefeiert. Dieses Fest stellt uns das geistige Martyrium der Mutter Gottes vor Augen, das sie zur Königin der Märtyrer erhebt. Die Kirche zählt im besonderen sieben Schmerzen, womit das Herz Mariä gleichsam mit einem siebenfachen Schwerte durchbohrt wurde.

Wieweit die Verehrung Marias in diesen ihren Schmerzen zurückgreift, dafür zeugen vorzugsweise die uralten Bilder, welche uns die Königin der Märtyrer als mit sieben Schwertern durchbohrt vor die Augen stellen.

Solche Bilder findet man in Fülle. Eines der ältesten befindet sich in der in Antwerpen gedruckten "Quodlibetica Decisio" des Franz Michael von Silb (1494). In dem 1514 gedruckten Mirakelbuch der Bruderschaft von den sieben Schmerzen ließ Johann von Coudenberghe Maria in ähnlicher Weise darstellen. Es befindet sich ein weiteres Bild (von Johann von Maubeuge) in der Notre Dame zu Brügge und eins im Museum von Antwerpen aus der Schule Dürers. In dem geschnitzten Altar der sieben Schmerzen zu Kalkau bei Xanten sind die Schmerzen in sieben Bildern dargestellt.

Im 14. Jahrhundert hatte man häufig vom Gekreuzigten aus ein Schwert kommen lassen, das gegen ihr Herz gezückt war, um an Simeons Weissagung zu erinnern. Bilder dieser Art zeigen eine Miniatur zu Darmstadt, ein Glasfenster des Münsters zu Freiburg i. Br. und in der Konstanzer Armenbibel, ferner zu Brou-en-Bresse, zu Breden in Westphalen, an dem großartigen Flügelaltar und zu Zülpich an dem um 1500 aus Antwerpen gekommenen Matthiasaltar. (Münzenberger-Beissel, Zur Kenntnis der mittelalterlichen Altäre I. 148, 199. II 48.)

Sieben mit ebensovielen Szenen verbundene Schwerter treffen Marias Herz auf Altarschreinen zu Budberg (15. Jahrh.), Borna (1512), Homberg (1530) und zu Modena in einer Miniatur des Gebetbuches des Kardinals Albrecht von Brandenburg. (Zeitschrift für christl. Kunst, Düsseldorf 1898, Nr. 5, Sp. 152.)

Sieben Schwerter finden sich auch auf dem Hochaltar zu Brandenburg (1518), zu Kleve (1520) und auf der Predelle eines Altares zu Würzburg (1589).

Weil die Leiden und Klagen der schmerzhaften Mutter in Schauspielen, Gedichten und Kunstwerken, in Liturgie und Predigt dem Volke so nahe gebracht worden waren, so verdichtete sich diese Verehrung immer mehr im Gedanken des Volkes.

Die Begegnung Christi mit seiner Mutter auf dem Golgathaweg wurde besonders und gerne dargestellt, so in einem Epitaph des Domes zu Regensburg von Peter Fischer, in Dürers kleiner Passion (aus der Holzschnittfolge des Marienlebens), in einem Bild von Martin Schön, im "Lo spasimo" Raffaels.

Eine Zusammenfassung der Leiden der Schmerzensmutter wurde seit dem 13. Jahrhundert in Deutschland beliebt. Fünf dieser Schmerzen behandelt Frauenlob (1318) in einem Ruf an Maria. Dieselbe Verehrung wird in zwei holländischen Handschriften (1300-1600) recht innig empfohlen. Nach und nach wurde dann ein weiterer hinzugefügt, aber bis zum Ende des 15. Jahrhunderts war das Beten von nur fünf Vaterunser und Ave Maria zu Ehren der fünf Schmerzen Marias Gebrauch. Diese fünf Schmerzen sind erwähnt in einer niederländischen Handschrift aus dem 15. Jahrhundert. Eine Handschrift zu Gravenhage (1400) nennt deren 12, andere wieder 15, 27 und 50. Alanus de Rupe spricht sogar von 150 Schmerzen.

Es wurde aber allmählich immer mehr Sitte, die sieben Schmerzen der Mutter Gottes zu erwähnen. Diese Gewohnheit wurde kirchlich approbiert, als Benedikt XIII. im Jahre 1724 den Rosenkranz der sieben Schmerzen bestätigte und allerlei Ablässe dazu bewilligte.

In den beiden Offizien zu Ehren der schmerzhaften Mutter am Freitag nach dem Passionssonntag und am dritten Sonntag des September ist die Siebenzahl von Marias Leiden definitiv festgelegt und kirchlich anerkannt worden.

Benedikt XIII. dehnte das von Sixtus IV. eingesetzte Sühnefest gegen die Frevel der Hussiten an Christus- und Marienbildern im Jahre 1727 auf die ganze Kirche aus. Pius VII. ordnete endlich im Jahre 1814 die Feier der sieben Schmerzen für den dritten Sonntag des September an.

Die Andacht zu den Sieben Schmerzen wurde besonders vom Zisterzienser- und Servitenorden verbreitet. Letzterer in Erinnerung an seine heiligen Stifter und an eine Vision der lieblichen Schmerzensmutter.

Der selige Heinrich Suso trug immer das tiefste Mitleid mit der schmerzhaften Mutter. Oft betrachtete er ihre Leiden und erhielt aus ihrem Munde die wunderbarsten Offenbarungen. Unter anderem sagte sie zu ihm: "Nimm wahr, alles Herzeleid, das je ein Mensch empfand, wäre gleich einem Tröpflein gegen das Weltmeer im Vergleich des Herzeleids, das mein mütterliches Herz dort empfand."

Auch die hl. Brigitta erfuhr des öfteren durch den Mund der hl. Jungfrau, welchen Wert sie auf diese Verehrung lege.

Eine fromme Überlieferung führt die Offenbarung des Sieben-Schmerzen-Kultes auf den hl. Johannes selbst zurück. Da er nach dem Tode Mariens in einemfort ihrer Schmerzen gedachte, hörte er in einer Vision, wie Maria ihrem göttlichen Sohn darum bat, allen denen eine besondere Gnade zu verleihen, welche ihre Schmerzen im Gedächtnisse behalten würden. Unser Heiland habe darauf geantwortet: "Er würde denselben vier besondere Gnaden erteilen: Die erste sei eine vollkommene Reue über ihre Sünden kurz vor dem Tode. Die zweite ein besonderer Schutz in der Todesstunde. Die dritte sollte darin bestehen, die Geheimnisse des Leidens tief der Seele eingeprägt zu haben. Und die vierte sollte eine besondere Macht der Fürbitte Mariä zu Gunsten derer sein, welche diese Andacht pflegen."

Die nämliche Offenbarung machte Jesus, wie uns der hl. Alphons de Liguori erzählt, der hl. Elisabeth O.S.B.

In den folgenden Jahrhunderten tauchte immer wieder der Gedanke an die Schmerzensmutter in der Kirche auf. Eigene Vereine und Gebetsorganisationen entstanden in diesem Sinne. Oft erschien sie sogar ihren Auserwählten, um sie über ihre Schmerzen zu belehren.

Im Leben der Schwester Maria Martha Chambon, Apostel und Missionärin von den heiligen Wunden (Deutsch von P. J. W. Schons O.S.B., Verlag Herz-Jesu-Sekretariat Schweiz) lesen wir folgende Stelle:

Am Feste der Heimsuchung erschien die Schmerzensmutter Maria der jungen Schwester und bestätigte sie in der Wahrheit ihrer mystischen Erlebnisse und in der Echtheit der ihr anvertrauten Mission. Sie sprach unter anderem zu ihr: "Deine Ordensschwester Margareta Maria hat das hochheiligste Herz meines Sohnes in sich nachgebildet, um es der Welt zu schenken... Und du, meine liebe Tochter, du bist dazu auserwählt, um die Gerechtigkeit Gottes zu besänftigen, indem du die Verdienste des bitteren Leidens und die heiligen fünf Wunden meines einzig geliebten Sohnes zu neuer Verehrung und zu voller Geltung bringst."

Und bei einer anderen Gelegenheit fügte die makellose Jungfrau bei: "Willst du überreich an Gottes Reichtum sein, so schöpfe recht emsig aus der Wunderwelt und aus dem glutvollen Tiefbrunnen der allerheiligsten Wunden meines Jesus, und diesen Reichtum erhältst du je nach der Größe und dem Maßstab deiner Demut. ... Ich, deine Mutter, sage es dir: Gehe hin, schöpfe und schöpfe immerdar aus diesem Wunderbrunnen meines Sohnes! -- und stille deinen Seelendurst. .. Du, meine Tochter, du hast die Aufgabe, diesen unerschöpflichen Reichtum, der aus seinen Wunden fließt, den armen, veirrten Menschenkindern zuzuführen, um sie zu bekehren."

Schwester Maria Martha, die berufen war, Tag und Nacht diese Wunden zu betrachten, wurde von der Schmerzensmutter selbst darüber unterrichtet, wie sie diese fromme Übung zu verrichten hätte. Sie erschien ihr eines Tages von neuem und sagte: "Meine Tochter, als ich das erstemal die Wunden meines Sohnes betrachtete, war es, als sein heiliger Leib in meine Arme gelegt wurde. Ich habe seine Schmerzen betrachtet und versuchte, sie tief in mein Herz einzuprägen. ... Ich habe seine göttlichen Füße, einen nach dem anderen, angeschaut. ... Dann betrachtete ich die tiefe Öffnung seines Herzens, welche für mein Mutterherz zu schmerzlich war. .. Ich habe die linke Hand betrachtet und die rechte, alsdann die Dornenkrone. All diese Wunden durchbohrten mein Herz. Das ist mein Passionsleiden. Sieben Schwerter sind in meinem Herzen und durch mein Herz muß man die geheiligten Wunden meines göttlichen Sohnes verehren. Aus Demut habe ich mit den glorreichen Fußwunden meines Jesu begonnen und ich wünsche, daß ihr die gleiche Reihenfolge einhaltet."

Zu Pontmain in Frankreich offenbarte Maria sich von neuem als Schmerzensmutter, die ihre Kinder zum Beten anspornt und sie von der Strafrute Gottes befreit.

Es war am 17. Jänner 1871, als die seligste Jungfrau vier Kindern zu Pontmain, Diözese Laval in Frankreich, zwischen 5 und 9 Uhr abends erschien. Zu Füßen der Erscheinung konnten die Kinder folgende Inschrift lesen: "Betet doch, meine Kinder! -- In kurzer Zeit wird Gott euch erhören! -- Mein Sohn läßt sich bewegen."

Hierauf blickte die seligste Jungfrau die Kinder liebevoll an, als aber die Umstehenden das Lied anstimmten "Mein süßer Jesus", wurde sie plötzlich ganz traurig. Ein rotes Kruzifix mit rotem Christus erschien, das sie alsogleich mit beiden Händen erfaßte. Über dem Kreuz war ein schmaler Querbalken, der die Inschrift trug: Jesus Christus. Gleich darauf schwebte eines der Sternchen, die zu den Füßen der Erscheinung leuchteten, zu den vier Kerzchen, die an dem Oval befestigt waren, in dem die seliste Jungfrau stand, und zündete dieselben an. Die trauernde Schmerzensmutter hielt die tränenvergießenden Augen auf das Christusbild geheftet, welches sie den Kindern zur Verehrung zeigte. Ihre Lippen bewegten sich beständig, wie wenn sie die Worte des Bittgesanges mitspräche. Dabei war ihre ganze Gestalt wie von Trauer übergossen. Es war wirklich die Mutter Jesu unter dem Kreuze ihres Sohns auf Kalvaria.

Nachdem die Umstehenden das Abendgebet verrichtet hatten, verschwand die Erscheinung plötzlich.

Unsere Liebe Frau von den Tränen in Brasilien

Dieser Titel ist nicht so neu, als man gewöhnlich annimmt. Unweit von Spoleto in Italien wird seit dem 15. Jahrhundert ein Bild der allerseligsten Jungfrau unter dem Titel "Unsere Liebe Frau von den Tränen" verehrt. Dieses Bild hat im Jahre 1494 gelegentlich der Völkerkriege viele Tränen vergossen und wurde seither in besonderer Weise durch das katholischeVolk verehrt.

Von den 19 Kapellen oder Kirchen, die in Paris der Mutter Gottes geweiht sind, befindet sich in der Notre-Dame-Kirche eine Kapelle, welche den Tränen der Muttergottes gewidmet ist. Das Bild, welches diesen Ehrentitel trägt, wurde den Karmeliterpatres gegen Mitte des 17. Jahrhunderts von Kardinal Franz Barberini geschenkt und wird noch heute in einem Sonderkult verehrt. (de Smet, Manuel histor. du Culte de la B.M.V. Bruge 1861. p. 729. -)

Holweck nennt in seinem "Calendarium Festorum B. Mariae V." fünf Pilgerfahrten zu Ehren der Tränen der Mutter Gottes.

Diese Tatsache bekundet, wie sehr die Verehrung der Mutter Gottes unter dem Titel Unserer Lieben Frau von den Tränen verbreitet ist und daß das katholische Volk recht gerne Maria unter diesem Titel verehrte.

Um diesen Marienkult in besonderer Weise zu empfehlen, hat der liebe Gott uns wieder ein neues Zeichen gegeben, das durch eine Kommission untersucht und bischöflich bestätigt wurde.

(Folgende Tatsachen sind einem bischöflich approbierten Artikel der "Annales de Beauraing de Banneux" 1934 entnommen. Man lese auch darüber das Büchlein: U.L. Frau von den Tränen von D. W. Mut, Reimlingen.)

In Brasilien besteht seit einigen Jahren eine Schwesterngenossenschaft, die sich "Institut der Missionarinnen vom gekreuzigten Heiland" nennt, und die in ihren Missionsarbeiten große Erfolge zu verzeichnen hat. Die kirchlichen Obern und die Schwestern sind der festen Überzeugung, daß diese Erfolge wurzeln in der besonderen Verehrung des gekreuzigten Heilandes, vor allem aber der Schmerzen und Tränen seiner heiligsten Mutter, und der Verbreitung des Rosenkranzes Unserer Lieben Frau von den Tränen, der einer Schwester dieser Genossenschaft auf außerordentliche Weise vom göttlichen Heiland und seiner heiligsten Mutter zu beten gelehrt wurde.

Am 8. November 1929 kniete diese bevorzugte Schwester, genannt Amalia vom gegeißelten Heiland, mit ausgebreiteten Armen an den Stufen des Altars, um von ihrem himmlischen Bräutigam eine besondere Gnade zu erflehen. Ein naher Verwandter der Schwester war in großer Trauer, da seine Frau nach Aussage der Ärzte unrettbar veloren war. Was sollte nun aus den beklagenswerten Kindern werden? Schwester Amalia erzählt, sie habe sich daraufhin innerlich angetrieben gefühlt, Jesus im Tabernakel aufzusuchen, wo sie ihr Leben für die Mutter der Familie anbot. Da erschien ihr der göttliche Heiland, indem er zu ihr sprach: "Wenn du diese Gnade erlangen willst, so bitte mich um der Tränen meiner Mutter willen."

Schwester Amalia fragte, wie sie beten solle.

Darauf gab ihr Jesus folgende Anrufungen: "O Jesus, erhöre unsere Bitten um der Tränen deiner heiligsten Mutter willen! -- O Jesus , schaue auf die Tränen jener, die dich auf Erden am meisten geliebt und dich am innigsten liebt im Himmel."

Dann fügte Jesus noch hinzu: "Meine Tochter, um was die Menschen mich um der Tränen meiner Mutter willen bitten, bin ich gezwungen, ihnen in liebevoller Weise zu geben. -- Später wird meine Mutter diesen Schatz unserem geliebten Institute übergeben als Magnet der Barmherzigkeit."

Was der Heiland versprochen, traf am 8. März 1930 ein. Schwester Amalia schreibt darüber: "Am 8. März 1930 kniete ich wieder vor dem Tabernakel, als ich mich emporgehoben fühlte. Im selben Augenblick näherte sich mir eine unaussprechlich schöne Frau, die mit einem violetten Gewande und einem blauen Mantel bekleidet war. Auf dem Haupte trug sie einen weißen Schleier, der weit über die Schultern herabhing. Die Gestalt schwebte lächelnd auf mich zu und übergab mir einen Rosenkranz 'Coroa', dessen schneeweiße Perlen wie die Sonne glänzten, indem sie zu mir sprach: 'Dieses ist der Rosenkranz meiner Tränen, der von meinem Sohne seinem geliebten Institute anvertraut wird als Anteil seines Vermächtnisses. Die Anrufungen wurden schon von meinem Sohne gegeben. Mein Sohn will mich durch diese Anrufungen besonders ehren, und so wird er alle Gnaden, die man um meiner Tränen willen erbittet, gerne gewähren. Dieser Rosenkranz dient zur Bekehrung vieler Sünder, hauptsächlich der Spiritisten. Dem Institut vom gekreuzigten Heiland ist eine besondere Ehre vorbehalten, nämlich die Bekehrung vieler Mitglieder dieser verderblichen Sekte, welche sich so verderblich am blühenden Baume der streitenden Kirche auswirkt. Durch diesen Rosenkranz wird der Teufel bezwungen und die Herrschaft der Hölle zerstört. Rüste dich zu diesem großen Kampf.'

Nach diesen Worten verschwand die Erscheinung."

Einige Leser werden sich nun fragen, worin dieser Rosenkranz besteht und wie man denselben beten soll.

Der Rosenkranz, den die Mutter Gottes der Schwester übergab, besteht aus 49 Perlen, die durch sieben größere in sieben Gesetze eingeteilt werden, ferner aus drei weiteren kleineren Perlen und der Medaille von Unserer Lieben Frau von den Tränen.

Dieser Rosenkranz ist folgendermaßen zu beten:

An Stelle des Glaubensbekenntnisses betet man: Gekreuzigter Heiland, zu deinen Füßen niedergeworfen, opfern wir dir auf die Tränen derjenigen, die dich mit inniger, teilnehmender Liebe auf deinem so leidensvollen Kreuzwege begleitet hat. Erhöre, o guter Meister, unsere Bitten ... um der Tränen deiner heiligsten Mutter willen und gib, daß wir die Lehren verstehen, die uns die Tränen deiner heiligsten Mutter geben, damit wir deinen heiligen Willen auf Erden so erfüllen, daß wir gewürdigt werden, dich im Himmel die ganze Ewigkeit hindurch zu loben und zu preisen. Amen.

Bei der Vaterunser-Perle betet man:

V. O Jesus, schaue auf die Tränen jener, die dich auf Erden am meisten geliebt,
R. Und dich am innigsten liebt im Himmel.

Bei den sieben kleinen Perlen betet man:

V. O Jesus, erhöre unsere Bitten,
R. Um der Tränen deiner heiligsten Mutter willen.

Zum Schluß wiederhole man bei einer jeden der drei kleinen Perlen:

V. O Jesus, schaue auf die Tränen jener, die dich auf Erden am meisten geliebt,
R. Und dich am innigsten liebt im Himmel.

Schlußgebet:

O Maria, Mutter der Liebe, der Schmerzen und der Barmherzigkeit! Wir bitten dich, vereinige unser Flehen mit dem deinigen, auf daß dein göttlicher Sohn, an den wir uns um deiner Tränen willen vertrauensvoll wenden, unsere Bitten erhören und uns außer jenen Gnaden, die wir durch diesen Rosenkranz erbitten, die ewige Krone gewähren möge. Amen.

Die Gnadenerweise, die bereits durch das Beten des Rosenkranzes zu Ehren der Tränen Unserer Lieben Frau erlangt worden, sind unzählbar. Hat doch der liebe Heiland der Schwester Amalia das Versprechen gegeben, "demjenigen keine Bitte abzuschlagen, der ihn um der Tränen seiner heiligsten Mutter willen um eine Gnade bittet".

Auffallende Erhörungen wurden besonders an sogenannte Rosenkranznovenen geknüpft. Verschiedene Ordenspersonen berichten, daß ihnen durch das Beten des Rosenkranzes Unserer Lieben Frau von den Tränen viele und außergewöhnliche Gnaden zuteil wurden. Sie beten ihn deshalb öfters während des Tages für die Bekehrung der Sünder, für Irr- und Ungäubigen, für Priester und Missionare, für die Sterbenden und für die armen Seelen im Fegfeuer.

Die zuständige kirchliche Behörde approbierte die Verehrung Marias unter dem Namen Unserer Lieben Frau von den Tränen und gestattete sogar zu diesem Zweck ein eigenes Fest, das am 20. Februar im Institut der Missionarinnen vom gekreuzigten Heiland in Bahia gefeiert wurde.

Der betreffende Bischof hatte übrigens dabei nur eine bestehende Tradition aufgegriffen, denn ähnliche Feste zu Ehren der Tränen der Mutter Gottes bestanden bereits früher an verschiedenen Orten.

Zu Arezzo in Etrurien befindet sich in der Kirche Mariä Verkündigung ein Marienbild, das im Jahre 1450 Tränen vergossen hat und das seither nicht nur unter diesem Titel verehrt wird, sondern auch ein eigenes Fest hat und als duplex maj. gefeiert wird. Das Gnadenbild wurde im Jahre 1604 feierlich gekrönt.

Ein weiteres Bild, das unter diesem Titel verehrt wird, und ein eigenes Fest mit Offizium und Messe von den sieben Schmerzen hat, findet man in der kleinen Ortschaft Rho, unweit von Mailand.

Dieses Bild vergoß im Jahre 1583 am 24. April blutige Tränen im Angesichte von zwei Personen, welche dort das Offizium der Mutter Gottes rezitierten. Der hl. Karl von Mailand setzte eine eigene Kommission zur Untersuchung dieses Wunders und vieler anderer ein und ließ im Jahre 1584 eine schöne Kirche zu Ehren der Gottesmutter errichten. Diese Kirche wurde am 17. August 1586 feierlich konsekriert und dem Kultus übergeben. Das Fest wird jedoch nach dem Ambrosianischen Ritus am 2. Sonntag nach Pfingsten gefeiert.

Ein drittes Fest zu Ehren der Tränen Unserer Lieben Frau wird zu Treviglio in der Lombardei am 28. Februar feierlich begangen. Während des Krieges zwischen Karl V. und Franz I. eilten die Bedrängten massenweise zur Mutter Gottes, welche über dem Hauptportal der Kirche thronte, um ihre mütterliche Fürbitte zu erlangen. Und so geschah es am 28. Februar 1522, daß das Gnadenbild in Gegenwart einer großen Volksmenge 14 Stunden hindurch Tränen vergoß. Durch dieses Wunder wurden die kriegerischen Streitigkeiten beigelegt und alle eilten zur Kirche, um das Wunder anzustaunen und Sühne zu leisten. Eine neue Gnadenkirche wurde bald hernach errichtet und am 16. Juni 1619 eingeweiht.

Ein letztes Fest der weinenden Schmerzensmutter wird auch zu Raab in Ungarn am 17. März gefeiert. Dieses Bild wurde durch Bischof Walter Lynck aus Clouferten (Irland) dorthin gebracht und weinte blutige Tränen am 17. März 1697.

Das wundertätige Schmerzensbild von Quito

Unter den vielen wunderbaren Schmerzensbildern verdient dasjenige von Quito eine besondere Beachtung.

Die Geschichte dieses Bildes wurde in der Zeitschrift "Krankenapostolat" (Bürglen bei Freiburg, Schweiz) von einem korrespondierenden Krankenmitglied veröffentlicht und lautet folgendermaßen:

Es war am 20. April 1906, da verließen 26 Studenten die Kollegiumskirche der Jesuitenpatres von St. Gabriel in Quito, Südamerika, und gingen mit Pater Alberti in den Studiensaal, auch der Präfekt der Studienanstalt war dabei; denn sie hatten gerade Erholung.

Vier von den kleinsten Zöglingen, die tags zuvor die erste heilige Kommunion empfangen hatten, sprachen miteinander von diesem großen Ereignis und schienen sehr glücklich zu sein. Plötzlich rief der Jüngste, Jean Chavez mit Namen, indem er wie gebannt zum Bilde der schmerzhaften Mutter Gottes aufschaute, das im Studiersaal hing: Seht, wie die allerseligste Jungfrau die Augen öffnet und schließt!" Ohne zu verstehen, was dies zu bedeuten habe, rief er die Professoren und die Zöglinge herbei, damit auch sie das Wunder schauen möchten. Alle, besonders der Pater Präfekt Roesch, antworteten: "Ach was! Es ist nur Einbildung, laß das sein!" Doch, als sie kamen, um den Knaben wegzuführen, wurden sie selbst Zeugen des Wunders, das ungefähr eine Viertelstunde andauerte. Tief erschüttert und ohne das Ende abzuwarten ging der Präfekt sogleich mit allen Studenten wieder in die Kapelle und betete dankend mit ihnen den Rosenkranz.

Das Gnadenbild ist ein herrliches Ölgemälde und zeigt die süßeste Jungfrau mit ihrem Herzen, das von einem siebenfachen Schwert durchbohrt ist. Der Ausdruck ist sehr rührend und doch wieder mild und zart.

Zwanzigmal wiederholte sich diese Erscheinung.

Das zweite Mal waren alle Studenten dabei. Sie beteten eben den Rosenkranz. Während der Anrufung aus der Lauretanischen Litanei: "Du Trösterin der Betrübten" schrien alle zusammen: "Oh! Sie bewegt wieder die Augen!"

Die Glocken fingen von selbst zu läuten an.

Die kirchliche Untersuchung wurde unter strengster Genauigkeit durchgeführt. Sechs Wochen später verordnete der Generalvikar der Diözese Quito die feieriche Übertragung des Gnadenbildes in die Jesuitenkriche. Eine großartige Prozession fand statt, an der etwa 30.000 Personen teilnahmen. Seit langer Zeit sah man nie eine solche katholische Glaubenskundgebung mehr. Viele bekehrten sich und wurden katholisch.

Ein Spötter, welcher diese Wunder bekrittelte, sah selbst auf einmal, wie die Augen des Bildes sich bewegten, und rief im selben Augenblick: "Es ist wahr, sie bewegt die Augen, ich will katholisch werden!" Herrlich hat er seither seinen Glauben bekannt.

Das gesamte Volk hielt in einem schweren Streit eine neuntägige Andacht zur Schmerzensmutter, und Maria half zum größten Jubel aller. Am 6. Juli wurde Frederico Gonzales zum Erzbischof von Quito ernannt. Nach seiner Ernennung wiederholte sich das Wunder noch dreimal, so daß auch der Neuerkorene es sah, und zwar gerade beim Einzug in seine Bischofsstadt, da er folgende Worte sang: "Schau auf uns mit deinen Gnadenaugen!"

Während des Bewegens der Augen schienen die Grundfarben des Bildes zu erblassen, und das Bild selber trat reliefartig hervor. Man glaubte, Maria weinen und dann wieder mild lächeln zu sehen. Das Angesicht war blaß wie bei einer Sterbenden, und doch lag wieder tiefe Stille und Ruhe im Bild. Die zahlreichen Umstehenden weinten und schlugen reuig an ihre Brust, bis das Marienbild wieder hellen Schein erhielt. Die letzte Erscheinung fand Ende Juli statt. An diesem Tage schien die allerseligste Jungfrau nicht mehr traurig zu sein, sondern sie schaute lächelnd zum Tabernakel hin, als wollte sie die Anwesenden zum eucharistischen Heiland hinführen. Sie erschien endlich ein letztes Mal dem Stadtpräsidenten, sie schaute ihn tief und vorwurfsvoll an, als möchte sie ihm einen Verweis wegen seiner Ungläubigkeit erteilen.

Nach gründlicher Untersuchung hieß Papst Pius X. die Andacht zur schmerzhaften Mutter Gottes von Quito gut und gewährte allen Pilgern einen Ablaß von 100 Tagen für das zweimalige Beten eines Ave vor dem wundertätigen Gnadenbilde.

(Fortsetzung folgt)


Transkription P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell (Schweiz)